Warum wir uns von sozialen Netzen lösen sollten – Teil 2

Wie ich im letzten Teil ja schon ankündigte, werden geschlossene Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Google+ nicht mehr unserer Zukunft und vor allen Dingen unseren Bedürfnissen entsprechen können. Der erste Schritt der Entwicklung des Social Webs im wesentlichen Sinne werden also tatsächlich Blogs sein, aber eben nur der erste Schritt. Die nächsten Schritte machen alles weitaus komplexer, sind aber sinnvoller und in der Handhabe leichter für User, Provider und auch Werbetreibende.

Die Zukunft des Internets -  Die Zukunft deines Social Webs
Weg von personalisierten Profilen im Internet und hin zu einem personalisierten Internet mit Profil. Das ist der Weg. Was sich auf den ersten Blick komplizierter anhört als es ist, ist im Prinzip ganz einfach und nach dem Ende dieses Artikels hoffentlich gut erklärt und verständlich. Aber ihr kennt mich ja: Für Fragen bin ich immer offen.

Social Web 1.0: Wir hüpfen von Netzwerk zu Netzwerk

Social Web 1.0: Wir hüpfen von Netzwerk zu Netzwerk

Als ich die ersten Gedanken dazu hegte, fragte ich mich was es eigentlich mit diesen ganzen Social Networks und den Blogs auf sich hat. Warum lässt sich das eigentlich nicht kombinieren? Denn heruntergebrochen ist der Unterschied ja marginal: Im Social Network hat man ein einfaches Profil mit Netzwerk und im Blog hat man ein komplexes Profil ohne festes Netzwerk. Die Grundlegende Problematik bei beiden: Man kann sich nicht in der Form ausdrücken die man möchte, man kann seinen Blog trotz mehr oder weniger guter Anbindung an soziale Netzwerke nicht verwenden um sich persönlich mit seinen Freunden auszutauschen. Umgekehrt hat man im Social Network immer den gleichen Brei an Leuten um sich herum und ist auch immer auf die Rahmenbedingungen des jeweiligen Social Networks angewiesen. Ein Beispiel: Auf einem Blog kann man sich dafür entscheiden, wo und wie eigene Bilder dargestellt werden, in einem Social Network nicht, man ist darauf angewiesen wo und wie die Bilder aufbereitet werden. Zusätzliche Informationen können auch nicht angezeigt werden, eben alles nur noch Vorgabe.

Nicht ohne Grund werden Blogs also benutzt um sich selbst noch besser profilieren zu können als es eben in Social Networks möglich ist. Facettenreich, individuell und vor allen Dingen selbstständig. Natürlich ist es möglich Themen zu vertiefen, aber will man wirklich (als Privatperson) nur ein Teil des Internets in Form eines Blogs sein und nicht all seine Fähigkeiten zu Verfügung stellen können? Umgekehrt ist es wiederum so dass man seine Fähigkeiten zwar zur Verfügung stellen kann, aber eben nur beschränkt in dem eigenen Teil des Social Networks in Abhängigkeit zur Reichweite in welcher man sich befindet. Was gebraucht wird ist ein modulares, flexibles und autonomes Netzwerk. Dein / Mein / Unser Netzwerk um genau zu sein.

Nutzergenerierte Netzwerke von Nutzern für Nutzer
Für Dich sieht es wie gefolgt aus: Die Basis ist eine Internetseite auf der Du neben deinem Namen auch ein paar grundlegende Infos über Dich abgegeben kannst und regelmäßig Beiträge (also Postings) abgeben kannst. Von der Grundstruktur ein Blog eben, aber ohne Extras denn über diese entscheidest Du. Diese Extras kann man Module, Plugins oder Konnektoren nennen. Ich entscheide mich für den Begriff Konnektor, weil neben der erweiterten Funktionalität eben auch eine Anbindung an ein Social Network gewährleistet wird. Über diese Module kannst du deine Seite erweitern wie Du willst. Ob jetzt Foursquare, Facebook, LinkedIn oder Klout, via Drag and Drop lässt sich alles mit Leichtigkeit konfigurieren und einrichten.

Finanziert und gesponsert wird deine Plattform durch die Unternehmen bzw. Marketing in Form von Werbung. Das Prinzip wie deine Besucher dazu motiviert werden, Werbung zu klicken, sprich deinen Auftritt zu finanzieren ist das gleiche wie im Internet. Nur mit dem Unterschied dass sich die Werbebanner die auf deinem Profil zu sehen sind, entweder von Dir eingerichtet oder eben dynamisch wie bei Facebook, Google oder Twitter auf Basis von Klicks und Follows ermittelt werden. Dies ist eine reine Win-Win-Situation. Wer Dich klickt bzw. besucht sowohl im privaten als auch beruflichen Kontext wird auch eher die Werbung annehmen die zu deiner Persönlichkeit passt. Und das Unternehmen das dich sponsert erreicht auch die Kunden die es möchte. Du als Person stehst im Mittelpunkt und nicht die Werbung, und wirst somit trotzdem noch durch diese finanziert.

Spezialisierte Soziale Netzwerke wie Xing, LinkedIn, Facebook oder ähnliche können dennoch bestehen bleiben. Aber eben optional, durch die schon erwähnten Konnektoren. Ob dann jemand die “normale Version” von Facebook nutzt oder eben die Möglichkeit vorzieht alle Netzwerke persönlich gefiltert an einem Platz / in einer App / in einem Bildschirm zu sehen, bleibt jedem selbst überlassen.
DAS ist das wahre Social Web. Keine zwangsisolierten Mitgliedschaften in restriktiven Communities, sondern grenzenloses kommunizieren und teilen. Argwöhnisch werden heute Menschen betrachtet die von Netzwerk zu Netzwerk hüpfen und sowohl auf Facebook, als auch auf Twitter und Google+ sind. Der Hipster als modernes Feindbild der Angst vor dem Unbekannten. Aber das ist die Zukunft. Nicht Du bist Teil des Netzwerkes sondern Du wirst Dein Netzwerk. Du entscheidest welche Stücke vom Kuchen des Internets Du haben willst.

Schwierigkeiten auf dem Weg zum echten Social Web
Ich bin mit HTML gewissermaßen aufgewachsen, aber der normale User ist ja teilweise schon überfordert wenn es darum geht eine URL, sprich eine Adresse einer Website, zu kopieren. Es muss also noch einfacher gehen. Einfacher gestaltet als die jetzigen Apps und Websites, und doch voll konfigurierbar. Es fehlt an Zugänglichkeit und vor allen Dingen einfacher Bedienung. Selbst WordPress hat immer noch so seine Schwierigkeiten sich als einfach verständliches Medium zu präsentieren. Es braucht also ein neues Content-Management-System. Wobei die Bezeichnung nicht ganz richtig ist, es braucht ein Network-Management-System. Also einen neuen grandiosen Unterbau mit dem jeder machen kann was er möchte. Das von mir derzeit erstellte WordPress Theme #Schneebesen ist nur der Anfang. Ob auf dem Smartphone, dem Desktop oder von mir aus Neuerungen wie der Datenbrille Google Glass, jederzeit überall Zugriff auf seine Daten und seine Netzwerke.

Im nächsten Teil stelle ich Euch vor wie ich mir den Datenschutz im Bezug auf Social Networks und das Social Web in Zukunft aussieht, wie derzeitige “Filterblasen” wie der Edgerank umgangen werden können und wie Daten wieder “greifbar” gemacht werden können. Ich hoffe dieser Artikel hat Dir gefallen und Du empfiehlst mich oder den Artikel weiter.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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