Warum wir uns von sozialen Netzen lösen sollten – Teil 1

Es ist doch immer das gleiche. Wenn man zu Twitter geht und fragt “Was ist das beste Social Network?”, bekomme ich immer Twitter zugerufen. Bei Facebook und Google+ ist es nicht anders. Nur eben mit den jeweiligen Namen. Man ist von sich selbst überzeugt und dem kleinen Netzwerk in welchem man sein digitales Leben sein eigen nennt.

Aber das war noch nie mein Ding. Jedes Netzwerk setzt auf restriktive Einschränkungen welche für Außenstehende die Interaktion und Kommunikation nahezu unmöglich oder eben einfach sehr unbequem macht. Das jeweilige Netzwerk redet sich dann immer mit der Argumentation: “Schuld sind nur die anderen!” heraus. Eigentlich ein Grund mehr die jeweiligen Netze gar nicht aufzusuchen wenn für die Nutzer eine solche Abhängigkeit entsteht.

Soviele Netze für mehr Komfort? Da kann was nicht stimmen

So viele Netze für mehr Komfort? Da kann was nicht stimmen

Wir sind halt Menschen, wir sind sozial und kommunikativ, wir möchten uns austauschen und Inhalte und Erinnerungen teilen. Aus diesem Grunde fügen wir uns eben den jeweiligen Restriktionen und Bedingungen welche uns ein Netzwerk vorgibt in dem viele unserer Freunde sind. So bin ich damals zu Wer-Kennt-Wen und Twitter gekommen. 1 – 2 Jahre danach war ich bei Facebook und vor ca. einem Jahr bei Google+. Und bis auf den Wer-Kennt-Wen Account sind auch noch alle Profile von mir aktiv. Aus folgenden Gründen:

Facebook – Geliebtes intransparentes Netz
Facebook ist für mich mittlerweile eine reine Kommunikationsplattform geworden. Um Informationen zu beschaffen ist Facebook mittlerweile komplett ungeeignet. Der Edgerank limitiert mittlerweile jede Art von Newsfeed. Und in einem Netzwerk in welchem mir bewusst Informationen vorenthalten werden fühle ich mich nicht wohl. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt hier einfach hängen.
Aber man fühlt sich eben auch verpflichtet: Auf der einen Seite die eigenen Freunde nicht im Stich lassen und diesen Wahnsinn aus Marketing und Selbstzensur erklären. Außerdem ist die Kommunikation einfach sehr bequem. Wenn man ein Smartphone hat wird die Meldung via App gepusht und im Prinzip gibt es gar keine Probleme eben was die Organisation von Veranstaltungen oder ähnlichem angeht. Vor allen Dingen aber befindet sich fast mein gesamter Freundeskreis dort. Facebook ist für mich eben zu einer  Hassliebe geworden.

Twitter – Die Grenzen der Macht des Kreativen
Twitter macht es im übrigen nicht besser. Es gibt reine Marketingbots, normale User und Hybriden. Der negative Effekt daraus: Für Neueinsteiger ist Twitter zunächst einmal die Hölle. Erstens weil mit vorgegebenen Variablen gearbeitet wird und die Nutzer dies auch gerne auf sich münzen. Bspw. wird gerne immer wieder mit der Anzahl an Followern oder einem bestehenden großartigen Intellekt geprahlt. Dabei ist diese Form der Intelligenzhascherei auch die Achillesferse des Netzwerks. Zu schnell werden Meinungen gebildet ohne sich über die Hintergründe zu informieren wenn bspw. ein neuer skandalöser Link der Piratenpartei auftaucht (und das geschieht bei Twitter jeden Tag), wird ohne sich groß zu informieren einfach mal die Headline gelesen und das Erstbeste von sich gegeben. Dies führt nicht nur oft zu Missverständnissen sondern auch den schon fast populären Shitstorms. Gut in anderen Netzwerken gibt es das auch, aber Twitter ist nun mal das schnellste.
Natürlich hat Twitter auch seine positiven Seiten. Durch die Restriktion lediglich 140 Zeichen pro Tweet nutzen zu können, muss man nicht unbedingt besonders intelligent sein sondern einfallsreich. Abgesehen davon wird durch die Nutzung von Avataren und klassischen Nicknames auch eine ganz besondere Art der Kommunikation etabliert. Vollkommen fremde Leute mit denen man sich über Interessen austauscht. Vor Twitter gab es dies nur in abgeschwächter Form durch Onlinespiele oder Foren. Aber die Interaktivität ist beeindruckend.
Dennoch hat mich Twitter auch nicht voll und ganz überzeugt. Vor allen Dingen durch die Einschränkung der 140 Zeichen werden die Nutzer dazu animiert, alltägliche Sprüche von sich zu lassen. Die Inhalte welche in Twitter vorhanden sind, sind zu 90% also auch alles andere als wirklich interessant. Aber man bekommt eben auch alles gezeigt.

Google+ – Der Hybrid dem noch nicht alles gelingen will
Und dann ist da noch Google+. Mein persönlicher Favorit. Die Mechanik ist ausgereift und geschickt mit bekannten Google Diensten und Marken verknüpft. Dennoch will sich eine richtige Nutzerakzeptanz immer noch nicht einstellen. Selbstverständlich gibt es auf Google+ die Poweruser. Voll von Funktionalitäten und Innovationen sticht das Social Network sehr pompös im Kampf gegen die Konkurrenten hervor. Aber irgendwie ist das alles zuviel und unübersichtlich.
Wenn ich mir bspw. die Geschichte mit den Kreisen ansehe wird mir schlecht. Das Pendant zu den aus Twitter und Facebook bekannten Listen, wirkt nach spätestens 4 Kreisen und gelegentlicher Nutzung für den normalen Nutzer unübersichtlich. Die Zuordnung gelingt zwar einfacher und sogar netzwerkübergreifend, aber so richtig verstehen nur die wenigsten die Funktion der Kreise. Außerdem hat man hier das gleiche Problem wie bei allen anderen Netzwerken, die Verbindung zu “Fremden” ist schwer. Und aus eben diesem Grunde ist es auch schwer an Dritte zu vermitteln, warum Google+ eigentlich derzeit das Beste aller Social Networks ist.

Blogs – Die derzeit einzige Alternative
Ich konnte mich nicht mehr damit abfinden. Zwar bin ich auch weiterhin in all den andern Social Networks zu finden, aber mir fehlt einfach eine unabhängige Schnittstelle. Bei der ich auswählen kann, was ich möchte und trotzdem den Kontakt zu meinen Leuten beibehalten kann. Und ich habe diese Schnittstelle gefunden: In Form dieses Blogs.

Hier habe ich die Möglichkeit mit allen alles zu teilen. Ich habe die Wahl der Waffen in der eigenen Hand und kann mir mein digitales Abbild formen wie ich es möchte. Und nicht wie es mir eine Plattform a la Twitter, Facebook etc. vorgibt. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind mannigfaltig und ich muss nicht ständig auf Veränderung auf den jeweiligen Plattformen achten. Ich bin meine eigene soziale Plattform.

Aber das ist immer noch nicht alles. Es mag zwar bequem für mich sein, aber nicht für den durchschnittlichen Nutzer. Warum das so ist und was ich in den nächsten zwei Jahren für eine Plattform erwarte, will ich im zweiten Teil erklären.

 

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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