Social Media: Von infantilen Studien und blindem Aktionismus

Gestern kam ja wieder eine neue Studie auf Netzpolitik.org zum Vorschein, in welcher belegt wurde dass die Likes die man auf Facebook macht zu 95% auf die Persönlichkeit des jeweiligen Profilbesitzers passt. Sprich man kann leicht herausfinden ob jemand Drogen nimmt, die politische Gesinnung, die sexuelle Orientierung etc. So weit. So uninteressant. Denn: Hätte man das nicht sehen müssen? Warum braucht es Studien wie diese die unverhohlen mit offensichtlichen Zuständen um sich werfen? Und vor allen Dingen warum steigen die Presse und diverse Blogs da mit ein?

Oft ein Opfer von blindem Aktionismus: Twitter

Oft ein Opfer von blindem Aktionismus: Twitter

Keine Reflektion oder Reaktion
Noch einmal bezogen auf die obige Studie: Warum zur Hölle soll jemand denn nicht Dinge liken und teilen welche seine Persönlichkeit wiedergeben? Das würde nicht nur keinen Sinn ergeben sondern wäre gänzlich irritierend. Sowohl für einen selbst als auch das eigene Umfeld. Im Umkehrschluss müssten also Journalisten von selbst darauf gekommen sein, dass diese Studie nichts aber auch rein gar nichts neues aussagt. Was mich aber vielmehr enttäuschte war die Reaktion der etablierten Blogger. Da war 0 (noch einmal ausgeschrieben: N U L L ) Reaktion und eigene Meinung, die Meldung der Studie wurde blind abgetippt und gepublished ohne überhaupt die wesentliche Aussage (die ja keine ist) der Studie zu hinterfragen und reflektieren. Nicht einmal ein “Da hätte man ja selbst drauf kommen können” ist hervorgekommen bis auf iceworx.tv wobei die Meldung mit der Schärfung von Kompetenzen erklärt wurde. Aber sonst kam da meiner Meinung nach zu wenig.

Dies erklärt für mich wiederum warum alles so einfach und vor allen Dingen ich von meinen Nachrichtenseiten und Technikblogs mittlerweile so enttäuscht bin. Eigene Meinung kommt, bis auf Caschy ab und zu, so ziemlich gar keine. Aber gerade das braucht es. Insbesondere bei solchen Studien sollte doch jemand mal offen sagen können: “Sorry, aber waren die Ersteller der Studie überhaupt geistig zurechnungsfähig und mental auch noch vollkommen in Ordnung?” Und dies ist nicht nur ein Beispiel, weitere gibt es in den letzten Tagen haufenweise: Angefangen mit dem Limit der physikalischen Adressen im Internet, dem Sim City Offlinedebakel gibt es noch zigtausende andere Beispiele, bei denen ich mir denke: “Warum zur Hölle fasst sich da eigentlich nicht mal einer an den Kopf und recherchiert erstmal bevor eine Meldung abgenickt und abgetippt wird?”.

Die Wurzel allen Übels – Blinder Aktionismus
Es ist der blinde Aktionismus der dazu führt, dass Informationen nur noch unreflektiert aufgenommen und verarbeitet werden. Sowohl von den Lesern als auch den Produzenten sprich: Bloggern, Journalisten und den restlichen Medien. Wenn wir jedes Mal so überrascht reagieren obwohl jemand etwas sagt was alle schon wussten, dann läuft irgendetwas falsch. Ich bin auch nicht dagegen dass prinzipiell solche Meldungen herausgegeben werden, aber man kann doch auf der anderen Seite nicht einfach so abtippen. Nicht nur die etablierten Medien haben ihren Bildungsauftrag, sondern jeder einzelne. Also sind auch Blogs in der Verantwortung. Und dazu gehört es eben auch die Leser zum eigenständigen Denken anzuregen. Da ist mir ein Haufen Kritiker lieber wie ein Haufen Lemminge die einfach brav alles abnicken. Blinder Aktionismus führt nur dazu dass wir alle uns länger im Kreis drehen und von mehr oder weniger guten Produkten und Dienstleistungen einlullen lassen. Blinder Aktionismus nimmt uns die Fähigkeit Kritik zu üben und Feedback zu geben. Blinder Aktionismus bringt uns im Informationszeitalter als Gesellschaft keinen Schritt weiter, warum also als Konsument weiter abgetippte Meldungen ertragen müssen?

Ich ärgere mich offen gesagt darüber und brauche bei meinen Blogartikeln zwar wesentlich länger als andere, aber ich mache mir auch meine Gedanken darum. Beispielsweise wie relevant ist diese Meldung eigentlich? Hat dies in der Zukunft Auswirkungen auf uns?
Dies sind doch die Fragen die bewegen, einfach weil auch langfristig das eigene Konsumverhalten immer wieder aufs neue geprüft werden muss, weil man eben auch fürs Leben planen will. Und wenn es eben nur um Soziale Netzwerke geht. Es sind Meldungen wie diese der Studie die unser langfristiges Entscheiden und Leben mitunter beeinflussen. Mit unüberlegten Handlungen und Meldungen ist man nicht viel besser als die verschrieene Springer-Presse. Aus jenem Grunde möchte ich zum Schluss den wesentlichen Punkt noch einmal mitgeben: Denkt doch einfach darüber nach, bevor Ihr handelt und Informationen aufnehmt.

Wie siehst Du das? Nehmen uns die Medien das denken ab, weil wir uns schon daran gewöhnt haben oder sind die Medien teilweise selbst nicht mehr in der Lage ihre eigenen Meinungen zu vervielfältigen? Ich freue mich über deine Meinung. Und würde mich natürlich auch freuen dich auf Facebook, Twitter oder Google+ wieder zu sehen.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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