Rückblick 2013, ein Tritt ins Gesicht und Mozarella

Wow. Was für ein Jahr. Auf der einen Seite war die Akzeptanz des Internets im gesellschaftlichen Leben so hoch wie nie zuvor. Auf der anderen Seite war das Misstrauen gegenüber allem im Internet nie so hoch wie jemals zuvor. Und das obwohl alles so harmlos begonnen hat.

Ihr kennt das ja bestimmt noch: Vor zehn Jahren hat man noch ausdrücklich davor gewarnt sich auf Informationen aus dem Internet zu beziehen und dann waren da noch die ganzen Psychopathen und Massenmörder die hinter jeder Ecke lauerten. Nun zehn Jahre später gibt es die Psychopathen immer noch: Die teilen jetzt Bilder mit sinnfreien Sprüchen in beliebigen Social Networks die sie alle von Twitter geklaut haben und sinnieren über sich und die Ungerechtigkeit des Lebens oder trollen irgendwelche Seiten voll von Themen von denen sie keine Ahnung haben.
Aber, bis vor 6 Monaten war das Internet noch die Referenz für alles. Natürlich gibt es hier auch Falschmeldungen, die gibt es in der Welt der Printmedien allerdings auch. Von daher macht dies im Moment keinen Unterschied mehr, bis zu dem Tag als ein ehemaliger Systemadmin der NSA anfing über das schon seit Jahren von diversen Leuten geahnten Überwachungsausmaß zu referieren und entsprechende Materialien zur Verfügung zu stellen. Nach Assange und Manning der Dritte historisch wichtige Whistleblower. Und seitdem steht die Welt Kopf.

Die Stunde Null. Schon wieder

Nicht das wohin zählt, sondern mit wem

Nicht das wohin zählt, sondern mit wem

Die Reaktionen hier in Deutschland sind bemerkenswert. Zum einen weil die BITKOM gemerkt hat welche Signifikanz die weltweiten Überwachungsmaßnahmen der Geheimdienste für die Wirtschaft haben. Letztlich steht ja obwohl wir so viele Computer und Server hinter allem stehen haben, immer noch eine menschliche also soziale Beziehung im Vordergrund. Ob wir jetzt einkaufen, Geschäfte abschließen, unseren Nachbarn grüßen oder einfach in Bus und Bahn fahren: die Basis all unseren Handelns ist Vertrauen. Innerhalb von nur 2 Jahrzehnten konnte das Internet soviel Vertrauen gewinnen, dass es mittlerweile nahezu flächendeckend in den westlichen Nationen Akzeptanz erlangte und auch intensivst genutzt wurde.
Aber jetzt gibt es kein Vertrauen mehr. Nur noch Unsicherheit. Diesen irreparablen Schaden wiederherzustellen und Vertrauen für unsere täglichen Beziehungen wieder aufzubauen wird das Internet noch ein weiteres Jahrzehnt kosten. Ich will jetzt ja nicht die Aufgaben der Geheimdienste in Frage stellen, aber letztlich hätte man das alles auch billiger haben können. Alles in allem bin ich einfach nur frustriert über die Situation, nicht über den Gedanken dass mich jemand überwachen könnte / würde oder gar aktiv überwacht. Mittlerweile glaube ich sogar dass wir viel zu konditioniert auf diesen ganzen kommerziellen Kram abfahren und von daher nicht einmal im Ansatz im Raster einer NSA oder eines BND sein könnten. Wir sind so gesehen ja nur Nebenprodukt der Big Data Konsolidierung. Denn der signifikante Unterschied zwischen wirtschaftlicher Nutzung von Big Data und Antiterrorabwehr ist ja nicht das suchen nach Gemeinsamkeiten im Nutzungsverhalten, sondern nach abweichenden Parametern. Paradoxerweise wird einem im Web aber immer noch das Gefühl gegeben die Welt drehe sich um einen. Es ist eine totale Farce von Individualismus zu sprechen wenn einfach jeder irgendwelchen Trends hinterherrennt. Die Logik ist also folgende: Solange irgendwas gekauft wird, ist man auch nicht relevant sondern eben nur Beiwerk in einem gigantischen Datenaggregat.

Klar kann man jetzt mit der Argumentation kommen, dass niemand überwacht werden will und soll. Aber andererseits muss man sich auch klar machen dass wir uns jetzt im 21. Jahrhundert befinden und das Thema Privatsphäre auch in Zukunft vollkommen anders behandelt werden sollte. In den jüngsten Tagen haben wir es ja sogar soweit gebracht das so etwas wie Solidarität mit Fans von Pornographie entstand durch die jüngste Abmahnwelle. Und da wird jetzt noch nach Privatsphäre verlangt? Diskretion? Geheimhaltung? Die Zeiten sind vorbei. Willkommen im Informationszeitalter.

Was ist denn eigentlich noch privat? Und was macht das aus uns? Was macht das aus mir? Was macht das aus dir? Das sind alles Fragen die sich in den kommenden Jahren immer und immer wieder stellen werden und von uns auf lange Sicht eines Tages beantwortet müssen. Es geht um weitaus mehr als um die einfache Frage ob ich als Individuum überwacht werde.

Also soviel dazu. Das Internet als kulturellen Raum können wir ebenfalls vergessen. Die Blogosphäre in Deutschland: Gescheitert und von geltungssüchtigen Journalisten und Affliates angeführt. Die Netzgemeinde: Ein vollkommen unkoordinierter Haufen aus Eierköpfen und Piraten die scheinbar seit einigen Monaten den Contest ausgerufen haben der Netzpolitik jedwede Seriösität zu nehmen. Ich bin maßlos enttäuscht. 2014 muss daran etwas geändert werden. Ich schreibe ja nur noch wenn ich mal die Zeit habe. Aber ich mache mir auch die entsprechenden Gedanken ohne irgendwelche Aussagen einfach nochmals zu wiederholen oder totalen Irrsinn von mir zu geben der Dritten schaden könnte. Es fehlt der Mut zur eigenen Meinung und weniger wiedergekäuter Aussagen. Das ist doch mal ein Vorsatz für 2014.

2013 kann ich für mich selbst schön abhaken:

  • Mit dem Rauchen aufgehört
  • Sport angefangen
  • Wohnung nicht gekauft und Strukturvertrieben den Mittelfinger gezeigt

Apropos 2014. Der eine oder andere der noch immer liest, ist ja eventuell daran interessiert was ich im nächsten Jahr denn noch alles so vor habe und was hier an dieser Stelle denn noch so hoch kommt. Thematisch wird sich alles irgendwie ähnlich sein: Social Web, Gesellschaftliche Entwicklung und die Geschichte wie ich mich vom Nerd zu irgendwas aktiverem entwickle. Vielleicht sollte ich das Ressort einfach Lebensqualität nennen. Darin erzähle ich dann unter anderem warum ich mir kein Tablet kaufen werde und was das mit meiner Fitness zu tun hat. Außerdem kann ich dann auch prima erklären warum zu meinem Trainingsplan mehr Mozarella als proteinshakesynthetisierte Kackscheiße gehört. In diesem Sinne: Euch allen ein schönes neues Jahr!

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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