Social Web: Twitter für Fortgeschrittene und Quereinsteiger

Dieser Artikel ist ein weiterer jämmerlicher Versuch Twitter zu beschreiben. Vor mir sind schon viele andere daran gescheitert, aber es gibt auch viel gute thematische Eindrücke. Bspw. wie man es denn mit dem Tweetklau also dem kopieren von Tweets sieht.
Mir geht es in diesem Artikel trotzdem darum zu klären, was Twitter eigentlich ist. Und warum jeder für sich einen Twitteraccount beanspruchen sollte. Und ich weiß auch das für Außenstehende dieses ganze twittern immer unheimlich irritierend ist, also sollte dieser Punkt doch einfach mal gestrichen werden.

Twitter braucht Zeit
Von allen mir bekannten Social Networks ist Twitter zwar das viral schnellste Netzwerk, aber auch das Netzwerk mit der längsten Einarbeitungszeit. Und damit meine ich jetzt nicht das schreiben von Tweets. Es geht vielmehr um das Verständnis wie Twitter funktioniert. Wie ticken die Leute da und was für Möglichkeiten habe ich hier eigentlich? Zuweilen nimmt das recht skurrile Züge an, weil halt jeder vollkommen verschieden mit Twitter umgeht. Um also zu verstehen was es mit den Favoriten, Retweets und dem Folgen eigentlich auf sich hat, ist es zunächst einmal nützlich die Grundstimmung die bei Twitter herrscht zu verstehen.

Twitter ist unfassbar / freundlich / zynisch

Der Monochromrassist auf Twitter

Der Monochromrassist auf Twitter

Auf die Frage was Twitter denn eigentlich ist gibt es keine zufriedenstellende Antwort. Weil ich aber davon ausgehe, und ich ja kein Unternehmen bin, dass rund 90% der anderen Twitternutzer auch so vorgehen wie ich, komme ich nicht darum zu sagen das Twitter das pulsierende Hirn des Internets ist. Und das wortwörtlich. Trotz der 140 Zeichen prasseln sehr viele verschiedenste Gedanken in kurzer Zeit auf einen ein. Und das ist durchaus inspirierend.
Einfach durch den Grundtenor der auf Twitter überhand nimmt. Und der ist überwiegend freundlich, hilfreich und sich selbst regulierend. Eine Filterfunktion braucht es im Grunde dort nicht. Darum gibt es ein ganz einfaches ungeschriebenes Gesetz unter den Twitterern: Wer sich wie ein Arschloch verhält, wird auch wie ein Arschloch behandelt. Darum ist bei Twitter eben auch kein Platz für Extremisten. Bis sich also bspw. mein Name Monochromrassist überhaupt erfolgreich etablieren konnte, dauerte halt eine Weile. Immerhin steht ja das Wort Rassist in dem Namen. Aber das ist auch ein gutes Zeichen. Twitter ist eben auch ein Platz an dem aufeinander acht gegeben wird. Durch die Möglichkeit vollständig anonym zu bleiben, bzw. mit Pseudonymen zu twittern werden intolerante Stimmen direkt blockiert, weil Intoleranz eben nicht toleriert wird.
Das hat auch nichts mit Gutmenschentum oder dem ausgrenzen anderer Meinungen zu tun, es bildet lediglich das Mittel der gesellschaftlichen Anschauungsweise ab. Und die ist stellenweise überraschend tolerant und offen für alles was neu ist. Nicht umsonst hat die Offenbarung des #Aufschreis auf Twitter und mittlerweile auch eben im echten Miteinander schon viel bewegt.

Twitter ist verrückt
Jetzt einfach mal 2-3 Tweet um zu vermitteln um was es bei Twitter ab und zu eigentlich geht.

Twitter ist neugierig
Nachdem wie gesagt die Aufschrei Tweets auf der einen Seite für eine Sensibilisierung zu dem Thema Sexismus geführt haben, gab es neben (netz-)politischen Bewegungen natürlich auch diverse andere Meldungen von Katastrophen, Gerüchten und wirklich tollen viralen Sprüchen. Bildern, Videos. Die Geschwindigkeit dieser Verbreitung der Meldung ist wirklich innerhalb von Sekunden möglich. Und daran sieht man auch wie mit Tweets im Gegensatz zu einem Posting auf Facebook oder Google+ umgegangen wird, man ist sich bewusst darüber dass ein Tweet lediglich einen Gedanken darstellt der eben mehr oder weniger informativ / originell / lustig ist. Und ebenso schnell wird darauf reagiert. Und das alles letztendlich basiert auf Hilfsbereitschaft und Neugier.

Twitter passt auf Dich auf
Eine kleine Geschichte die das Leben schrieb und so oder so ähnlich jeden Tag auf Twitter geschieht: Vor 4 Tagen wurde mir zugetragen, dass jemand einen Selbstmord angekündigt hat. Einen versuchten Anruf (weil die Situation etwas wirr war), einen Tweet und eine halbe Stunde später, ist die Meldung mittlerweile auf über 56 Retweets, also Teilungen der Meldung innerhalb von Twitter gekommen. Fazit der Geschichte übrigens war, es handelte sich um einen Songtext der zitiert wurde. Es gab keine Selbstmorddrohung und dem Typen war es letztlich scheißegal wie solche missverständlichen Tweets von der Community aufgenommen werden. Von mehreren Stellen aus wurde auch der Notruf getätigt. Aber na gut. Es gibt da eben auch Leute die vergessen, dass man im Internet immer eine Vorbildfunktion zu erfüllen hat wenn man in der Öffentlichkeit ist. Ich hoffe dies haben ihm auch Leute der Polizei entsprechend noch einmal mitgeteilt. Es gab aber auch Fälle in denen wirklich Hilfeschreie durch Twitter rauschten und sich die Empathie der Follower wirklich bewährt hat. Ob Flugzeugabsturz, Jobsuche oder einfach eine Umfrage: Hilfestellung wird immer geboten. Twitter ist der sozialste Nachrichtenaggregator der Welt Informationen in Rohform. Nicht mehr nicht weniger. Aber mit einem kleinen aber feinen Unterschied. Anhand der Anzahl der Favoriten und erneuten Teilungen (also Retweets), kann man schnell sehen wie dringlich ein Thema auf Twitter gerade ist. Jedocj mit dem Vorteil, dass man sich ja explizit aussuchen kann wer dieser unzähligen Accounts. Twitter ist Philosophie und Lebenskunst Auf Twitter wird philosophiert. Und zwar ständig. Vor allen Dingen über Twitter. Aber auch über das Leben. Weil man die Authentizität und Passion für Twitter und das Leben immer schwer selbst umschreiben kann, kommen an dieser Stelle in paar Tweets die hoffentlich für sich selbst sprechen.

 

 

Was Twitter nicht ist
140 Zeichen sind eben ein Limit. Gerade genug für ein paar kleine Gedanken, aber zu klein um zu diskutieren. Erstens kommen während einer längeren Diskussion immer wieder neue Leute hinzu und Zweitens sind manche Themen einfach viel zu detailliert für Twitter um noch in 140 Zeichen sachlich bleiben zu können.

Was es mit diesen ganzen verdammten Sternen auf sich hat
Bei Twitter hat man ja die Möglichkeit Favoriten zu setzen. Also letztlich ein Lesezeichen. Anfänglich war das auch so gedacht. Aber irgendwann in einer sehr frühen Phase muss sich eine Gegenkultur abgezeichnet haben. Abseits der Lesezeichen die man bis dahin in digitaler Form nur von Browsern kannte. Ein ambivalentes Like eben. Und das hat sich eben durchgesetzt. Wer irgendwann mal also zu den großen Tweetern gehören möchte, braucht darum aber nicht ständig irgendwelche beliebten Dinge zu tweeten. Es reicht einfach wenn man ehrlich ist oder mit Ideen und Meinungen von sich überzeugen kann.

Was bedeutet dieser Hashtag da eigentlich?
Es gibt Hashtags die sind sehr einfach zu verstehen. Die beliebtesten sind übrigens #Freundin, #Piraten und eine beliebige Jahreszeit oder Wetterlage. Ebenfalls mit der Raute davor. Die Piraten schaffen es nicht mehr wegen Ihrer Parteiaktivitäten in die Trending Topics bei Twitter, sondern wegen Ihrer Parteiaktivitäten. Zuerst Bewunderung und jetzt sind alle nur noch genervt. Aber vielmehr weil keiner mehr wirklich durchblickt. Zumindest dem jetzigen Stand nach.
Die Trending Topics sind übrigens die beliebtesten Hashtags, die jede Stunde mehr oder weniger genau von Twitter ermittelt werden. Ein Art Hitliste der derzeit meist diskutierten Themen. Aber ab und zu tauchen da auch sehr skurrile Dinge auf. Darum hier ein kleine Übersicht der skurrilsten, aber Twitter üblichen Hashtags:

  • #ausgruenden
    Aus Gründen: Egal was davor da steht. Wenn es #ausgruenden geschieht, hatte das schon seinen Grund.
  • #aufschrei
    Vollkommen selbstredend. Der Ursprung der neuen Sensibilisierung über Sexismus im Alltag.
  • #ff
    Auch sehr verwirrend ist dieses #ff. Dabei ist das nur eine Empfehlung jemandem zu folgen. Traditionell findet man die Empfehlungen an Freitagen vor. Aber auch unter der Woche. Ein Trend im Sinne des #FollowFriday welcher natürlich aus den USA rübergeschwappt ist.
  • #followerpower
    Wenn Followerpower hinter irgendeiner Frage oder einer Aussage steht, dann benötigt dieser Twitterer Hilfe. In beliebiger Form. Entweder man beantwortet die Frage oder schiebt die Frage einfach in seine Timeline per Retweet damit auch andere die Möglichkeit haben zu helfen.
  • #RT
    Bedeutet soviel wie “retweetet” oder “retweeten bitte”. Nimmt ab und zu sehr skurrile Züge an. Kann aber auch sehr oft hilfreich sein um jemanden zu unterstützen. Oder um es mit anderen Worten auszudrücken “WG: Fwd: WG: Fwd: Kein Betreff” ist das alte “RT RT RT RT RT: Kein Betreff”.
  • #NTL
    Die sogenannte NightTimeLine ist eine Begleiterscheinung in Twitter. Nachts twittern sehr wenige. Und wenn dann eventuell sehr absurde oder unterhaltsame Dinge. Und auch wenn gerne von einem Mysterium gesprochen wird, nachts ändert sich im wesentlichen gar nichts auf Twitter.

Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten Twitter zu entdecken und sich selbst vor allen Dingen ständig neu zu erfinden. Und Hashtags gibt es ja  unendlich viele. Und allem voran Themen. Wie Ihr mit Sicherheit schon bemerkt habt. Über Twitter zu schreiben ist ein Unding. Und trotzdem habe ich mich hier versucht.

Du bist auch bei Twitter? Dann folge mir doch einfach. Du bist nicht bei Twitter? Dann schaue es Dir doch einfach mal an. Ich war anfänglich auch recht skeptisch. Aber im Nachhinein musste ich einfach feststellen: Diese beständige Gedankenfülle fremder Menschen bereichert mir mittlerweile jeden Tag.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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Comments
  1. Bernd Eckhartdt
  2. Dennis

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