Rechtspopulismus: Fremdenfeindlichkeit 2013 – …des Nazis neue Kleider

Die Frau hinterm Herd, den Ausländer im seinem eigenen Land, Preußen und Schlesien natürlich wieder in Deutschland integriert. Genauso sieht der Nationalist von heute seine Welt. Fernab von jeglicher Realität wird dem sogenannten Multikultiwahn und natürlich dem Kapitalismus die Schuld an dieser Misere gegeben, also erschafft man sich seine eigene Utopie. Die Jugend hat Ihren Bezug zur Heimat verloren und macht sich jetzt in einer Identitären Bewegung freie Luft und protestiert offen gegen Regierung, Europäischer Union, dem Kapitalismus und vor allen Dingen Ausländern. Was zur Hölle ist eigentlich geschehen?

Kahlschlag der Kulturen? Mitnichten!

Kahlschlag der Kulturen? Mitnichten!

Ich fühle mich ein bisschen zurückversetzt in die 90er Jahre. Die Mauer ist gerade gefallen und plötzlich tauchen überall diese komischen Leute mit Glatze auf und greifen ganz offensiv Ausländer an. Der Grund? Selbstverständlich Ausländer die Arbeitsplätze wegnehmen. Davon abgesehen dass schon zu diesem Zeitpunkt etliche durch Ihre Gastarbeit ohnehin schon in Deutschland gewohnt haben, geht man natürlich auch gegen Asylbewerber vor. Zu meiner Zeit damals waren es Flüchtlinge aus Albanien welche in der Rhein-Neckar-Region Zuflucht suchten. Natürlich ist es zu anfangs schwer sich mit den Neuankömmlingen in irgendeine Art und Weise zu arrangieren, aber man verständigt sich, geht gemeinsam auf Schulen oder die Arbeit und die Zeit bringt dann alles weitere. Ganz einfach.

Wie jetzt selbst nach über 20 Jahren nach dem Mauerfall ersichtlich ist, verstehen dieses einfache Prinzip die Nationalisten eben nicht. Eine Vermischung der Kulturen ist nicht nur unvermeidlich sondern auch eine enorme Bereicherung für uns alle. Und so ganz nebenbei: Es ist auch die natürlichste Sache der Welt. Dies ist nicht nur wissenschaftlich belegt sondern hat in der kurzen erdgeschichtlich betrachteten Historie der Menschen eben auch immer einen Mehrwert mit sich gebracht. Warum denn nicht auch jetzt im Zeitalter der Informationen und Innovationen? Dieser Hass auf den mittlerweile für uns selbstverständlich gewordenen interkulturellen Dialog ist nicht nur extrem krank sondern in sich auch nicht konsistent.

Denn die Lösung der sogenannten Identitären Bewegung lautet: Kulturen sollen NEBENeinander leben. Sprich: Am Besten geht jeder in sein Ursprungsland und zelebriert dort seine so gewonnene Identität. Der Gewinn daran für alle Beteiligten? Es entstehen bei Korrespondenzen mit dem Ausland nicht nur neue Kommunikationsschwierigkeiten weil sich man sich ja mit seiner Identität in seinem Land eingeigelt hat, sondern auch Zwietracht und Misstrauen im globalen Handel wächst. Das danach keiner mehr mit den Nationalisten spielen und handeln will ist auch klar.

Zudem spricht sich die Identitäre Bewegung auch offen gegen den Sozialismus aus. Neben der Eigenheit den Kapitalismus zu verfluchen, werden aber auch keine Alternativen zu Planwirtschaft oder ähnlichem dargestellt. Jammern kann ja jeder, aber hier ist das jammern so groß dass man blind eine nie existierende Utopie ohne Wirtschaft anvisiert. Denn ohne Wirtschaftssystem geschieht eben nichts. Dies ist ein Fakt der auf den von mir entdeckten Seiten der Identitären Bewegung eben nicht im Ansatz besprochen wird. Also so gesehen wäre es ja schön wenn man sich für ein egalitäres System wie in Star Trek aussprechen würde, allerdings ist dies ja wiederum die extremste Form der Planwirtschaft und hätte damit auch wieder ebenso starke sozialistische Züge, also kann sich diese neue Protestform auch dem nicht anschließen. De facto ist das eine Stimme mit zwei Meinungen die dort propagiert wird.

Achja und dann sind wir ja noch bei der Zensur. Selbstverständlich werden laut den Identitären alle Medien und Blogs von Linken und Grünen angeführt und dementsprechend zensiert werden in den entsprechenden Medien auch die Kommentare, Mentions oder eben offenen Briefe. Aber wenn man sich die Facebook Seiten der jeweiligen Bewegungen (ja es gibt mittlerweile auch Untergruppen) ansieht, dann findet man natürlich nur Kommentare welche die Identitären unterstützen, glorifizieren und bejubeln. Sobald man kritisch auf die angeblichen “Fakten” der Informationen eingeht, wird man ebenfalls zensiert und aus der Diskussion herausgelöscht. Dabei wollten die Identitären doch gar keine Zensur unterstützen. Denn das gibt es ja nur in totalitären Staaten etc. Und dann auch noch der Böse Zionismus, die Linken und das ganze Multikultizeug, die dürfen dann eben nicht kommentieren. Weil, ja genau weil die ja so böse sind. Die Identitären wollen also Zensur verbieten, aber nicht für sich. Wie immer: Eine Stimme zwei Meinungen.

Denn während ihr euer ganzes Leben lang nach Utopien gestrebt habt, wollen wir echte Werte. – Webseite Identitäre Bewegung

Ah ja. Echte Werte. Ganz klar. Die komplette Webseite der Identitären Bewegung ist übrigens viel inhaltsloses Geschwätz und selbstverständlich mit den alten Argumentationen angereichert, dass viele Kulturen nur Hass und Gewalt mit sich bringen und alle darunter leiden müssen. Außerdem ist ja auch die EU schlecht und der Kapitalismus auch. Aber wie oben schon erwähnt, werden auch keine alternativen Lösungsansätze dargelegt. Die einzige ultimative Lösung ist das schon in den 90ern skandierte “Ausländer raus!”.
Was allerdings deutlich wird, ist der tatsächliche Identitätsverlust den die Nazis aktuell plagen. Man hat in der Vergangenheit ja immer wieder versucht sich aktuellen Trends anzupassen. Ist von Thor Steinar, Bomberjacke und Springerstiefeln auf Palästinenserschal und Kapuzenpulli umgestiegen und hat natürlich eindeutige rechtsgerichtete Schulhof-CDs produziert. Immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten um die Zugänglichkeit für das braune Gedankengut zu erhöhen. Mittlerweile ist man bei Hardbass und Guy Fawkes Masken angelangt. Welche ja beide Artikel des Kapitalismus sind (wenn man die Wertschöpfungsketten bis zum Ende betrachtet). Mit Identität und vor allen Dingen Konsequenz hat das rein gar nichts zu tun.
Der Ur-Nazi aus den 90ern ist also nicht mehr eindeutig erkennbar und auch braune Ideologien werden immer wieder neu verpackt. So auch mit der Identitären Bewegung und den schon seit längerem bekannten Nationalisten.

Diesen Artikel schreibe ich übrigens nicht nur weil mich diese ganzen Nazigeschichten schon seit Jahrzehnten ankotzen, sondern auch weil man die Präsenz derer in den sozialen Netzwerken nicht immer sofort bemerkt. Nicht jeder Rassist hat direkt NPD auf der Stirn stehen. Die Namen sind vielfältig aber die Ideologie dahinter immer die gleiche. Und es entspricht auch keinesfalls meines persönlichen Prinzips: Jeder darf seine Meinung sagen, wenn diese nicht gegen die gute Sitte verstößt. Im Grunde so wie immer im Internet: Beleidigungen, rassistische Äußerungen, sexuelle Inhalte und andere extreme Formen der Diffamierung sind nicht zulässig. Genauso moderiere ich bspw. auch Diskussionen. So wie es jeder eben machen sollte. Im Übrigen bin ich weder rechts noch links. Denn Positionen schränken einen nur in der Flexibilität ein, aber das habe ich ja an anderer Stelle hier noch beschrieben.

Links zu den von mir gefundenen Seiten werdet Ihr hier übrigens nicht finden und das aus gutem Grund. Aber ich verweise gerne auf diesen Artikel von Spiegel Online. Durch diesen bin ich auf diese Bewegung aufmerksam geworden.

Tweetet, postet, kommentiert und teilt was das Zeug hält. Es ist wichtig dass nicht nur Ihr Euch informiert sondern Ihr auch Freunden, Verwandten und Bekannten von dem neuen Gesicht des Neonazis 2013 erzählt, denn egal ob Facebook, Twitter, Google+ oder Wer-Kennt-Wen, sie sind überall vertreten. Ich zähle darum auf Eure Unterstützung.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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Comments
  1. DePhyllis

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