Projekt: Digitalisierter Rauchentzug – Tag 1 bis 5

So. Tag 1 fing an. Ziemlich unvermittelt. Und mit nichts besonderem. Ich habe mir soviel Ablenkung benötigt wie nötig war besorgt. Habe mir den Tag mit kleinen Aufgaben eingeteilt und habe nicht den Fehler gemacht irgendwelchen Knabberkram oder sonstiges Zeug zum kompensieren des Nikotins zu kaufen. Ich möchte mit dem Rauchen aufhören. Nicht fett werden.

Von Hilfsmittelchen und Medikamentenmissbrauch
Weil die ersten zwei Tage vollkommen unspektakulär waren, habe ich mir da mal Gedanken zu Hilfsmitteln gemacht. Also Kaugummis, Pflaster etc. Und bevor jetzt noch irgendwelche esoterischen Eierverkäufer irgendwas von der Heilkraft der Aloe Vera erzählen wollen komme ich kurz mal zu dem Punkt: Natürlich kann man mit Hilfsmitteln das Rauchen aufgeben. Allerdings ist das ja ein bisschen wie Zigaretten gegen Kautabak einzutauschen. Davon hat niemand was und Mehrkosten sind trotzdem da. Der einzige der daran gewinnt ist der Verkäufer des Hilfsmittel und das letztlich ja nur über das kleine bisschen nicht vorhandenen Willen den du selbst hast. Also besonders viel Selbstbewusstsein baut das nicht auf. Nikotinkaugummis und den anderen Kram kann ich also unter allen Umständen niemandem empfehlen.

Über Apps mit dem Rauchen aufhören

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Es gibt ein paar Apps auf dem Markt sowohl fürs iPhone, das Android oder das Windows Phone Smartphone mittels denen man mit dem Rauchen aufhören kann. Das einzige Problem: Irgendwie funktionieren die alle gleich. Du hast einen Zähler, gibst an wie viele Zigaretten Du ursprünglich pro Tag geraucht hast und kannst dann sehen wie viele Zigaretten man seit diesem Zeitpunkt nicht geraucht hat. Auf den ersten Blick hört sich das schön an, ist aber wenn man aktiv aufhören will Schwachsinn. Zunächst einmal wird bspw. davon ausgegangen dass wenn 30 Zigaretten pro Tag geraucht hat, auch alle 48 Minuten eine Zigarette gezählt wird. Unüblicherweise stehe ich aber nachts nichts alle 30 Minuten auf um zu rauchen. Ja auch Raucher können durchschlafen. Von Nichtrauchern für Raucher programmiert.
Dann kommt auch noch der Punkt die Momente einzufassen in denen man wirklich seinen eigenen Zwang besiegt hat. Raucher kennen diese Momente aus denen man heraus dann einfach so eine Zigarette angesteckt hat. Schlimmer ist wenn man gerade aufhört und sich direkt in einer solchen Situation befindet. Man kann diesen Moment mit einer App nicht feiern. Eigentlich kann man niemandem davon erzählen dass diese Situation gerade total schwer war, aber man es trotzdem geschafft hat auch DIESE Zigarette nicht zu rauchen. Darum finde ich eine App wie Foursquare dann viel besser, man könnte einfach mit einem Knopfdruck posten: Diese Zigarette habe ich nicht geraucht! Das stärkt das Selbstwertgefühl weitaus mehr.

Und nun fassen wir mal die Tage 1-5 zusammen:

Tag 1: Bis auf das Ärgernis mit den ganzen Nichtraucherapps und homöopathisch wirkenden Nikotinkaugummis war der erste Tag extrem ruhig. Wie gesagt: Was wichtig ist für die ersten Stunden ist viel Ablenkung. Ich habe Sport und Haushalt gemacht. Aber ich denke auch ein konsequent durchgeplanter Tag mit Filmen oder am Rechner ist wohl auch effektiv. Hauptsache es wird erst mal das gesellschaftliche Leben bedingt außen vor gelassen. Wenn ich an Tag 1 auf eine Party oder ähnliches gegangen wäre, würde ich gar nicht diesen Artikel hier schreiben, dort rauchen einfach zu viele und man ist eben wieder automatisch in dem Teufelskreis drinnen. Parties, Geburtstagsfeiern etc. also am ersten Tag lieber vermeiden!

Tag 2: Besser als in diesem Tweet kann ich es gar nicht zusammenfassen. Wenn es irgendwas sein sollte um die Nervösität bzw. Unruhe zu bekämpfen und der Drang nach einer Zigarette zu groß wird: Einfach zu Obst greifen. Am besten eine kleine Obstschale vorbereiten oder so.

Tag 3: An diesem Tag machte ich die wahrscheinlich bemerkenswertesten Veränderungen an meinem eigenen Körper fest. Zwischendurch ist mir der Kreislauf weg gesackt, nach langem überlegen habe ich aber auch herausgefunden warum. Der Körper ist die Zigarette und den damit einhergehenden kurzfristigen Schub des Kreislaufes gewöhnt, also ist mein Körper gar nicht schwach sondern einfach nur ziemlich faul. Weil er eben auf Zigaretten konditioniert ist zu diesem Zeitpunkt.

Zudem sind mir noch die ganzen Fehlassoziationen aufgefallen. Wenn ich bspw. an die frische Luft ging hatte ich direkt das Verlangen nach einer Zigarette. Ich brauche jetzt ja niemandem erzählen, dass dies nicht natürlich ist. Aber wie immer wenn so etwas ist: Augen zu und durch und das unsichtbare “Nicht geraucht” Knöpfchen der imaginären Nichtraucherapp drücken.

Tag 4: Dieser Tag wird mir so oder so als intensivster Tag in Erinnerung bleiben, auch von den ganzen Eindrücken her. Alles fängt an anders zu riechen. Jetzt im Moment wo ich diese Zeilen schreibe, habe ich immer noch Gerüche in der Nase die ich noch nicht zu 100% einordnen kann, weil ich die einfach nicht mehr kenne. Riechen muss nach meiner 11 jährigen Raucherkarriere also neu erlernt werden. Ich kann es nur so beschreiben, dass die gesamte Umwelt wieder facettenreicher wird.

Tag 5: Ich bin immer noch nicht ganz in der Lage mit der Behandlung des aktiven Nichtrauchens in Gesprächen angemessen und akkurat zu reagieren. Ich gehe den Gesprächen noch aus dem Weg. Vermutlich hatte ich einfach Angst dass ich in einer Gegendiskussion bspw. keine Argumente für meine Entscheidung finden würde. Auf jeden Fall war in den ersten 5 Tagen das direkt ansprechen wirklich keine gute Idee. Und ich würde das auch als einen der wichtigsten Punkte nennen. Auch für Angehörige, Freunde etc.

Jetzt habe ich aber immer noch nicht geschrieben wie ich den Zigaretten aus dem Weg bin: Doch! Twittern. Wenn man gerade nicht aktiv etwas schreibt, dann sollte man halt irgendwas lesen. Es ist egal. Aber und das ist das wichtigste: In erster Linie lenkt es ab und bringt einen auf andere Gedanken. Und das ist ja auch Teil der Strategie die ich mir hier gesetzt habe.

Das nächste Mal schreibe ich warum Twitter und Facebook und Freunde und Familie auch wichtig sind. Und wie es mit den nächsten Tagen weitergegangen ist. Wie immer gilt: Wem das Projekt gefällt, der knallt es via Social Web seinen Freunden und Kollegen vor die Füße. Ich danke Dir auf jeden Fall jetzt schon für deine seelische und moralische Unterstützung! :)

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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Comments
  1. Julia
    • Christian Fein
  2. Xam_Green (@Xam_Green)
  3. Xam_Green (@Xam_Green)

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