#Aufschrei: Warum Man(n) sich unbedingt auch dafür interessieren sollte

Auf meinen ersten Artikel habe ich recht verhaltene Reaktionen bekommen. Von Zustimmung bis hin zu totaler Ablehnung bzw. Ignoranz war natürlich alles dabei. Über Sexismus wird hierzulande eben nicht geredet. Es ist doch ein bisschen so wie mit dem Tod und Scheidungen, nur mit dem Unterschied dass man hier etwas erreichen kann wenn man einfach nur ein paar kleine Schritte aufeinander zugeht. Die Situation in der wir uns befinden ist nicht unvermeidbar und vor allen Dingen keinen Hass wert.

Eindrucksvolle Googlesuche der Chancengleichheit

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Es geht hier ja nicht nur um sexuelle Diskriminierung sondern vor allen Dingen mehr Toleranz und Lebensqualität untereinander. Und es geht auch nicht darum den Männchen die Weibchen wegzunehmen, sondern darum beiden mehr Stimme zu verleihen.
Vielleicht bin ich das Thema meinen letzten Artikel auch falsch angegangen, indem ich darauf einging was denn eigentlich Feminismus ist und warum dieser entstanden ist. Vielleicht geht es in erster Linie doch noch darum festzustellen, warum Alltagssexismus uns alle was angeht und warum wir diesen vehement verhindern und vermeiden sollten.

Zunächst einmal gibt es ein entsprechendes Statement der Universität Bielefeld (PDF), in diesem wird in ersten Zahlen darauf hingewiesen, dass Sexismus in Deutschland nicht nur real existiert sondern eben auch zu einem wesentlichen Teil Frauen vermehrt davon betroffen sind.

Man muss übrigens gar nicht einmal solange suchen um alltägliche Situationen zu finden, in welcher Frauen mit Formen des Sexismus tagtäglich konfrontiert werden. Wenn normale Blicke zu einem unerträglichen Starren werden, am Telefon in erster Linie nach dem Mann oder dem Chef verlangt wird um der Kommunikation mit Frau aus dem Wege zu gehen oder bei der Berufswahl Frauen trotz Quote ausgeschlossen werden. Ganz abgesehen von den 2-3 Sticheleien die einem am Tag von Kollegen, Passanten oder Freunden entgegen gesetzt werden.

Ich versuchte mich auch mal ein bisschen in die Lage hinein zu versetzen, welches gestörte Verhalten Frau heute an den Tag legen muss um gesellschaftlich vollwertig akzeptiert zu werden. Emanzipiert darf Sie sein, aber eben nicht zu frech. Selbstständig auch, aber nicht so das Mann sich erniedrigt oder bedroht fühlt. Berufstätig, nur wenn keine Kinder im Spiel sind. Frau sein ist nicht leicht, vor allen Dingen wenn man sich überlegt wie unbedarft viele mit dem Thema umgehen und Frau eben auch nicht weiß, wie sie mit der Situation umgehen soll. Also blendet Sie aus, versucht zu verdrängen. Und das täglich.
Wenn ich mir dann im Umkehrschluss ansehe wie viele Möglichkeiten ich als Mann habe und mir als Geschlecht ja gewissermaßen keine Grenzen gesetzt sind, sehe ich wie extrem verzerrt die Rollenbilder in der westlichen Kultur eigentlich sind. Die einen können machen wie sie wollen, die anderen sollten machen wie sie sollen. Es ist genau diese Diskrepanz die mit dem #Aufschrei-Tag eliminiert werden sollte. Feminismus ist bis dahin immer belächelt und bekämpft worden, aber genau jetzt ist der Durchbruch zu den bisherigen Tabuthemen der westlichen Zivilisation wie Sexismus und Gleichberechtigung gekommen. Der Aufschrei wird also endlich gehört, nach jahrhundertelangen Kämpfen gegen ein maskulines Regime der Stereotypen.

Nun muss man sich als Mann allerdings auch einiges gefallen lassen, sobald man sich auf die feministische Seite stellt, wird man in erster Linie ausgelacht bzw. ins lächerliche gezogen. Dabei ist die Motivation doch keine metaphorische und physische Kastrierung der Männer. Meine Motivation besteht darin allen Menschen ein gleiches Maß an gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Ob schwarz, weiß, männlich, weiblich, dick, dünn, arbeitslos, gesund oder behindert. Dass zu diesem wesentlichen Ziel auch eine Gleichstellung an Lebensqualität gehört, sollte unter diesen Gesichtspunkten selbstverständlich sein. Natürlich könnte ich mich auf die Seite der Sexisten stellen und herum posaunen dass die Zicken sich nicht so anstellen sollen und sich auch gefälligst in Zukunft angraben lassen müssen, weil dies ja im wesentlichen die Menschheit gefährde wenn keine Nachkommen mehr vorhanden wären. Aber das ergibt einfach keinen Sinn.

Ich habe im Laufe meines Lebens festgestellt, dass die meisten Menschen auch wenn sie sich äußerlich nicht unbedingt so geben, im Inneren ziemlich konservativ sind und die Ziele für jeden schlussendlich Haus, Baum und Kind sind. Durch die rasante industrielle Entwicklung und die entsprechenden schulischen und akademischen Anforderungen verschiebt sich diese Zeit der Familie lediglich ein paar Jährchen nach hinten. Die einen früher, die anderen später und die wieder andere eben gar nicht. Aber das ist normal. Es geht doch nicht hierbei darum die Motivationen und Lebensplanungen zu hinterfragen. Im Gegenteil: Es geht um den geringsten gesellschaftlichen Anspruch der auch im Grundgesetz hinterlegt ist Artikel 1 Absatz 2:

Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Ja selbstverständlich ist dieser Abschnitt sehr allgemein gehalten und doch drückt er aus um was es in einer menschlichen Gemeinschaft geht: Respekt und Toleranz. Wenn wir selbst aus eigenen Beweggründen nicht in der Lage sind diese Punkte auch Frauen als natürliches und selbstverständliches Grundrecht einzuräumen, dann ist der gesellschaftliche Zusammenhalt doch schon längst gescheitert.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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