Social Web: Wieviel ist die Netiquette nach Domian und Facebook noch wert?

Die gute alte Netiquette. Ein Relikt aus den 90ern und den ersten Chatrooms und Foren. Und trotz allem so aktuell. Insbesondere wenn man jetzt auf den Fall Domian und Facebook schaut. Eine kritische Statusmeldung zur Wahl des neuen Papstes Franziskus wurde von Seiten der Betreiber des Social Networks gelöscht. Auf der anderen Seite stehen aber Facebook Fanpages mit offenkundig rassistischen, sexistischen, zu Gewalt aufrufenden Statements und Gruppierungen ohne Zensur in Facebook. Was läuft da also gerade alles falsch? Und sind Netiquetten alle gleich?

Google hat die größte Netiquette der Welt

Google hat die größte Netiquette der Welt

Was steht in einer Netiquette?
Ein kleiner Rundumblick genügt: Auf Facebook sind es Community Standards, also Gemeinschaftsregeln, auf Twitter natürlich Twitter-Regeln und auf Google (Plus), wobei Google die ausführlichsten Richtlinien anbietet. Aber ob man es Richtlinien, Regeln, Standards oder eben Netiquette nennt macht keinen Unterschied. Denn letztlich sind sich alle gleich.Es geht darum den Umgang miteinander zu respektieren und anstößige Inhalte zu melden. Wer sich daneben benimmt muss mit entsprechenden Konsequenzen rechnen. Ganz wie im echten Leben also. Die Netiquette umfasst überall im Internet die folgenden Punkte:

  • Positiver und konstruktiver Umgang miteinander
  • Keine Aufrufe zu Gewalt
  • Keine Beleidigungen
  • Keine Hassreden
  • Keine sexistischen oder rassistischen Kommentare oder Beiträge
  • Keine pornographischen Inhalte
  • Keine Gewalt verherrlichenden Inhalte
  • Kein Missbrauch urheberrechtlich geschützter Güter
  • Kein Missbrauch der Marken und Logos der Plattform

Eine Netiquette ist also für den Umgang miteinander gedacht und um unbedachte oder gefährliche Äußerungen einzudämmen. Im Grunde gibt es sogar eine recht einfache Richtschnur für den Umgang auf Webseiten. Überall wo davon gesprochen wird das “die Wahrheit doch ausgesprochen werden muss“, hat man es in aller Regel mit einer Plattform aus sexistischen, rassistischen oder sonstigen diffamierenden Meinungen zu tun. Nur in den seltensten Fällen hat man auch auf die oben erwähnten Punkte in den Nutzungsbedingungen bzw. Richtlinien auf diesen Seiten geachtet und diese beachtet.
Die Netiquette ist also gesellschaftlich normiert und akzeptiert. Es sollte also bei der Interpretation des Ganzen keine Schwierigkeiten geben. Leider ist es wie so oft und viele Menschen sehen das anders. Da ist es vollkommen in Ordnung wenn Leute Arschloch genannt werden oder andere extreme politische Einstellungen für gut geheißen werden. Und eben für genau diese Fälle gibt es die Netiquette.

Die Community und das verantwortungsvolle Handeln
Auch bei Facebook scheint man sich uneinig über die Interpretation von gemeldeten und beanstandeten Postings zu sein. Ganz einfach weil diese Meldungen letztlich von Menschen analysiert und ausgewertet werden. Die Meinung dieses Community Managers kann also auch nur subjektiver Natur sein, immerhin sitzt dahinter ein Mensch. Selbstverständlich hat auch Facebook diese Leute mit der Netiquette und den entsprechenden Richtlinien geschult, aber gewisse Dinge sind einfach schwer zu verstehen. Insbesondere wenn mal (auf Facebook weniger üblich) wie in dem Falle von Domian mehrere Zeilen Fließtext in einem Beitrag stehen. Der Rest der Geschichte ist also selbstredend. Es gab sogar eine Entschuldigung von Facebook an Domian.
Natürlich muss man einsehen, dass Social Networks als User niemandem gehören und man darum die entsprechenden Richtlinien auch nicht “lenken” kann. Aber ich sehe hinter der Nichteinhaltung der Richtlinien bzw. deren Missinterpretation keine kapitalistischen Ansichten. Denn wenn sich nach einiger Zeit herumsprechen sollte, dass viele Extremisten auf der Plattform unterwegs sind, bleiben logischerweise auch die Nutzer aus und gerade davon ist jede Community abhängig.

Die Einhaltung von Richtlinien ist also menschlich und von beiden Seiten aus zu gewährleisten, denn niemand will seine Zeit in einem sozialen Netzwerk mit pädophilen, rechten oder sexistischen Arschlöchern vertreiben. Auch Twitter, Google+ und Co. haben dies erkannt. Und letztlich hat jedes Netzwerk seine eigenen Methoden und Menschen um die entsprechenden Profile und Postings auf anstößige Inhalte hin zu untersuchen. Bei dem einen Netzwerk klappt dies mehr oder weniger gut, man muss aber auch sagen: Facebook hat über 1 Milliarde Nutzer. Das Niveau der Community auf einem derzeit, in Relation zu der Masse der User, so hohen Level zu halten ist echt beeindruckend. Trotzdem werden sowohl Facebook als auch alle weiteren Social Networks in Zukunft noch daran arbeiten müssen  die Netiquette einzuhalten.

Regeln sind notwendig
Ich würde jetzt ja gerne als Fazit dieses Beitrags sagen: “Das muss doch nicht sein. Jeder Mensch beherrscht es mit anderen umzugehen!”. Leider ist dem nicht so. Aus diesem Grunde moderiere ich Kommentare hier im Blog auch selbst und nicht von diesen 08/15 Lösungen die zwar Spam filtern aber nicht den jeweiligen Ton aus den Kommentaren herauslesen können. Denn auch auf diesem Blog haben braune, sexistische Trolle nichts zu suchen. Man kann sich also entweder recht leicht seine eigene Plattform in Form eines Blogs hochziehen und geht davon aus nicht “überwacht” zu werden oder man akzeptiert die von dem jeweiligen Social Network vorgegebenen Konventionen und Konditionen. So einfach ist das. Also ist auch die Netiquette kein altes Relikt aus den Anfängen des Internets, sondern ein notwendiges Werkzeug.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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Comments
  1. Rolf
  2. Rolf
    • Christian Fein

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