Social Web: Wie sieht die Zukunft des Internets aus?

Dank Google Glass sind wir einen Schritt weiter auf dem Weg in Richtung der Hollywood inszenierten Science Fiction Zukunft. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, bringt aber neben den unerwarteten Problem mit der Privatsphäre auch ein weiteres Problem mit sich. Nicht nur wir werden zum Medium und dem Sender sondern wir verlernen auch zugleich eine der wichtigsten menschlichen Fähigkeiten: Das fühlen.

Smartphones - Bald ein Relikt der Vergangenheit?

Smartphones – Bald ein Relikt der Vergangenheit?

Das Internet als Implantat
Rein theoretisch wäre es heutzutage kein Problem mehr in das Handgelenk eines Menschen ein 3G-Modul und einen kleinen Prozessor zu bauen und sämtliche Aktionen in der näheren Umgebung mit dem Menschen als Medium zu interagieren zu lassen. Das Smartphone oder die Smartwatch als Teil des Menschen und nicht ein Accessoire um die kommunikativen, digitalen Fähigkeiten gleich einem Implantat aus einem billigen Science-Fiction Film nachzuahmen wären damit aufgehoben. Aufgeladen würde solch ein Modul natürlich induktiv während dem schlafen.

Das Internet als Finger
Eine weitere und in meinen Augen weitaus sinnvollere Theorie wäre es über Irisscan und Fingerabdruck global an allem möglichen Orten zu streamen und so einfach auf seine Daten und das Internet als solches zugreifen zu können. Diese Metainformationen aus der Umwelt welche man bei den derzeitigen Augmented Reality Anwendungen zu sich nehmen kann werden zu diesem Zeitpunkt überflüssig sein. Sämtliche relevanten Daten werden gestreamt und direkt beim Nutzer in die Cloud und / oder diverse Social Networks oder im Social Web abgelegt. Der Aufwand um Geräte zum Konsum der Inhalte bereitzustellen wäre weitaus geringer als unser derzeitiger Verschleiß an Hardware. Im Prinzip bräuchte es lediglich Multitouchdisplays und einen Iris- und Fingerprintscanner um ohne jeglichen Gerätschaften an jedem Ort auf der Welt sich in seine Daten einzuklinken.

Warum die Zukunft nicht so aussehen sollte
Aber beide Theorien sind zu unwahrscheinlich und zwar aus mehreren Gründen: Wir befinden uns, wie ich schon öfters erwähnte, derzeit in einer Hochphase des Kapitalismus und diverse Studien weisen jetzt schon darauf hin, dass dem Endkunden minderwertige Ware verkauft wird, damit dieser zum Kauf von neuer Ware animiert wird. Wenn jetzt also ein endgültiges Produkt auf den Markt kommen würde, gäbe es bis auf neue Software keinen Grund mehr für den Konsumenten noch neue Produkte zu kaufen. Er hätte ja schlichtweg schon alles zuhause. Um diesem Trend wenigstens ein bisschen entgegen zu wirken und die zukünftigen ökonomischen Strukturen im reinen Medienkonsum weiter abbilden zu können und dem Nutzer dennoch das Gefühl zu bieten ALLES an Musik / Film oder ähnlichem zu einem festen Preis im Monat zu bieten, haben sich jetzt in erster Linie die Streamingservices recht gut etabliert. Auch wenn diese vom Endkonsumenten noch nicht vollständig akzeptiert werden.
Auf eine lange Sicht ist Streaming von medialen Inhalten wohl die Zukunft, langfristig wirtschaftlich ist dies für die Industrie der Urheber jedoch nicht. Es wird sich vermutlich ein Discounter-Skandal Effekt einstellen. Denn Discounter arbeiten in der Regel ja damit die Produktionskosten von Herstellern und Lieferanten künstlich zu drücken um für den Konsumenten letztlich immer den günstigsten Preis im Verhältnis zu den vermeintlichen Konkurrenten zu erlangen. Diese Spirale wird wohl über kurz oder lang auch die Industrie des Musikstreaming zuerst treffen. Und dann ist es fraglich wer nachgibt: Die Plattenfirmen, die Künstler oder die Verwertungsgesellschaften oder eben der Streaminganbieter. Spotify hat damit vor einiger Zeit ebenfalls Schlagzeilen gemacht und nähert sich somit der Discount-Problematik an.
Ich und meine ehemaliger Boxedpages Kollege Alexander Stein haben uns schon damals äußerst kritisch mit der Thematik des Streamings von Kulturgütern auseinandergesetzt. Letztlich kann ich nur sagen: Auf eine lange Sicht schadet Musikstreaming den Künstlern mehr als es ihnen nützt, weil sich diese jetzt schon mit der gleichen Discounterproblematik auseinandersetzen müssen. Und Kultur ist eben kein unendliches Gut. Denn solange die Künstler auch noch aus monetären Gründen dazu motiviert werden, weiterhin Kultur zu produzieren ist auch die Qualität entsprechend gut. Aber was geschieht zu dem Zeitpunkt an dem das produzieren von Kultur sich als unattraktiv für die Künstler erweist? Die Qualität wird nachlassen.

Auf welche Probleme wir noch stoßen werden
Auch müssen wir uns eingestehen, dass die beiden oben erwähnten Zukunftsvisionen zwar machbar wären, aber auch die entsprechende Menschlichkeit dahinter fehlt. Selbst in den von mir erwähnten Science-Fiction Filmen hat man diese Problematik schon sehr früh bemerkt. Ob in Star Trek, Soylent Green oder der Matrix waren Daten welche entsprechend transportiert werden mussten, auf eine gewisse Art und Weise auch immer physisch vorhanden, bspw. in Form eines Würfels, einer Disk oder ähnlichen Objekten. Diese reine Virtualität ist jedoch meines Erachtens schädlich. Wir sind Menschen und brauchen eine gewisse Haptik, also etwas greifbares. Von Geburt an haben wir neben dem Atemreflex eben auch den Greifreflex. Es gibt in diesem Sinne nichts Menschlicheres als Dinge zu ergreifen und vor eben diesem Konflikt befinden wir uns just in diesem Moment schon. Uns fehlt die Haptik. Medien sind nicht mehr physisch vorhanden. Durch die Smartphones, HTPCs und Tablets sind wir zu Konsumenten in Reinform geworden. Der einzige Sinn und Zweck der Gerätschaften welche wir mittlerweile in unseren Haushalten für selbstverständlich erachten sind zu einem Großteil nur auf Lizenznutzungen für diverse Dienstleistungen durch eben diese Medien beschränkt. Wir laufen also Gefahr selbst nur noch in minimalistischen Lebensräumen zu leben, in welcher sich unser Leben von dem eines Häftlings nur noch marginal unterscheidet. Der Häftling hat neben einer minimalst Ausstattung in seiner Zelle, keinerlei Möglichkeiten zum Konsum von Medien. Wir schon. Dies ist dann allerdings der einzige Unterschied. Zumindest in dem gesellschaftlichen Wandel des Social Webs der jetzt am ehesten absehbar sein wird.

Wir brauchen also Haptik um nicht nur uns selbst sondern auch unsere mittlerweile immateriellen Güter darstellen zu können. Am ehesten dem entsprechen würde eine Art Datenwürfel, den eben jeder mit sich trägt. Mit diesem sollte es möglich sein in erster Linie jederzeit sein digitales Leben vor den Blicken anderer zu schützen und öffentlich darzustellen, und andererseits auch eben mit diesem aktiv digital zu kommunizieren.

Die Zukunft aus anderer Sicht
Man könnte meine gesamten Gedankengänge natürlich auch invers setzen und davon ausgehen, dass die weitere Entwicklung von Hardware zum Konsumieren aus wirtschaftlicher Sicht gar nicht mehr von Interesse ist. Die Entwicklung von mehr oder weniger funktionsarmen Apps ist billiger, erfolgreicher und kann ohne Probleme mittlerweile auf jede Plattform portiert werden.
Auch die Frage ob wir denn tatsächlich mediale Inhalte greifen müssen ist in Frage zu stellen. Vielleicht geht das ja. Vielleicht braucht der Mensch ja tatsächlich bald nicht mehr als seinen Finger und eine gesunde Iris um am digitalen Leben teilhaben zu können. Auch der gesamte Arbeitsmarkt wird sich dementsprechend anpassen. Wozu als Unternehmung noch eigene Gebäude zur Verfügung stellen, wenn sich jeder Mensch einfach einem Projekt zuteilen ließe. Im Grunde genommen die absolute Form des Tagelöhnertums und der freien Mitarbeit. Es bräuchte unter den Aspekten der Industrie also lediglich noch Entwickler für Software und ein paar Leute die sich um die Infrastruktur der Cloud bemühen. Der komplette traditionelle Markt an Medien wird einfach so über kurz oder lang wegbrechen. Printmedien und traditionelles Fernsehen? Ganz einfach weg.

Der komplette Artikel ist selbstverständlich reine Zukunftsmusik und in keiner Art und Weise ist absehbar wie sich die Zukunft des Webs auf uns auswirken wird. Sowohl aus ökonomischer, beruflicher und vor allen Dingen menschlicher Sicht. Es stellt sich nur die Frage, ob wir das überhaupt so wollen und was dann aus der Menschheit wird. Vor allen Dingen die Diskrepanz zwischen den einzelnen Staaten und Kulturen im Umgang mit neuer Technologie wird in naher Zukunft sehr interessant sein und uns leichtere Rückschlüsse auf die Zukunft der Globalisierung geben. Der Blick nach Nordkorea und auf ein beliebiges mitteleuropäisches Land genügt schon um die verschiedenen Umgangsweisen jetzt schon gut darzustellen und zumindest ein Gefühl dafür zu bekommen und wir uns durch unseren Fortschritt vielleicht doch mehr neue interkulturelle Barrieren erschaffen.

Was haltet Ihr davon? Wie wird das Internet der Zukunft aussehen? Wie wird unser Umgang mit Medien und Gadgets der Zukunft uns kulturell beeinflussen? Ich bin sehr gespannt auf Deine Meinung und freue mich wie immer wenn Ihr diesen Artikel fleißig teilt, retweetet oder sonstwie empfehlt.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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Comments
  1. Martin Reti

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