Social Web: Was wir aus Tumblr lernen können

Es stand ja heute schon in der BILD. Aber hier nochmal zum mitschreiben: Tumblr wurde von Yahoo! für 1,1 Milliarden Dollar gekauft. Selbstverständlich ist das in erster Linie ein gute Sache: Gutes Projekt findet einen einigermaßen guten Käufer und hat dadurch die Möglichkeit zu wachsen, Werbung an alle möglichen Stellen zu pappen und eventuell sogar an die Börse zu gehen. Moment: Erinnert das nicht ein bisschen an Facebook? Ist Facebook aber nicht gerade der am meisten verhasste Ort im Social Web? Wie bei einem Stockholmsyndrom klammern wir uns an das was am meisten schmerzt. Aber ihr kennts ja: Erstmal eins nach dem anderen.

Von Social Responsability und unternehmerischer Verantwortung
Sich von Yahoo einkaufen zu lassen ist nicht verderblich. Zumindest nicht unbedingt. Im Grunde ist das mit dem Kapitalismus ja ganz einfach: Nichts anderes hat uns so sehr in der technologischen Entwicklung gefördert, und auch nichts anderes hat uns bei der technologischen Entwicklung so sehr im Weg gestanden. Aber so ist das eben auch in der gesellschaftlichen Entwicklung. Vor 10 Jahren hätte wohl niemand gedacht, dass ein Auswahlkriterium auf der Suche nach einem Job auch die Interaktion in sozialen Netzwerken im Internet sein könnte. Den Diensten im Internet kommt also eine immer größere gesellschaftliche Verantwortung zu. Und damit sind nicht nur Fairtrade-Konditionen gemeint wie beim Kaffee. Es geht eben auch um Themen wie Datenschutz und gesellschaftliche Entwicklung. Dies bedeutet für die Unternehmen, dass jede Entscheidung auch langfristig abgewägt werden sollte um nicht wie bei Facebook erst das Netzwerk mit Features zu befüllen, die dann nach und nach abgeschaltet werden um Premiumlösungen zu weichen. Dem Edgerank sei eben dank.

Ist jetzt auch auf Tumblr: Der Monochromrassist

Ist jetzt auch auf Tumblr: Der Monochromrassist

Tumblr kann fallen, muss aber nicht
Eigentlich brauche ich Tumblr gar nicht zu beschreiben. Ein weiteres soziales Netzwerk, welches mehr den Fokus auf eine Art Microblog ähnlich zu Twitter etabliert hat. Und damit Bloggen für die breite Masse erstmal attraktiver gemacht hat als WordPress. Auch wenn sich die meisten Nutzer dort wohl gar nicht bewusst ist, dass diese sich in einem Blognetzwerk und keinem klassischen Social Network a la Facebook aufhalten. Momentan ist die Nutzung von Tumblr in Deutschland auch äußerst gefährlich. Nicht wegen Viren oder ähnlicher Dinge sondern wieder einmal wegen Anwälten und Abmahnungen. Durch das “Rebloggen” von kompletten Beiträgen hat man auch die kreative Kraft des Ursprungsautoren für “sich vereinnahmt” und verletzt damit automatisch wieder das Urheberrecht. Von der Masse der Anwälte ist es wieder einmal sehr schwer abzusehen was sich auf Tumblr zuerst verändert: Das Nutzungsverhalten der User oder einfach eine konsequente Abwanderung zu einem anderen Social Network.
Egal. Darum geht es gerade ja gar nicht. Tumblr erfreut sich gerade jetzt größter Beliebtheit vor allen Dingen weil es nahezu werbefrei ist und Werbung selbst nur im Dashboard, also der Übersicht der abonnierten Blogs anzeigt. Vor allen Dingen ist es einfach zu nutzen, man kann Beiträge schreiben, zitieren, Videos und Fotos machen und eben auch rebloggen. Im Großen und Ganzen also das was man von einer massenorientieren Bloggingplattform erwartet: Intuitiv, Einsteigerfreundlich und vor allen Dingen ambitioniert.

Menschen sind nicht politisch. Tumblr übrigens auch nicht.
Eine interessante Erkenntnis meines ersten Streifzugs durch Tumblr: Blogs sind nicht politisch weil Menschen auch nicht politisch sind. Die große mediale Revolte von der schon seit zig Jahren im Internet durch Blogs gesprochen wird, kommt auf keinen Fall durch Tumblr. Eher durch traditionelle Blogs wie diesem hier. Ich vermute dahinter steckt der Aufwand, welchen man derzeit noch bspw. in eine WordPressinstallation investieren muss. Dies erklärt für mich auch logisch warum sich niemand bzw. nur sehr wenige für netzpolitische Themen engagieren und interessieren. Der Hauptunterschied ist die Nutzung: Auf einem traditionellen Blog wird noch aufwändig publiziert, während Tumblr sich selbst durch die einfache Nutzung als reines Konsuminstrument inszeniert. Es ist im Grunde wie bei den Tablets und Smartphones: Die Dinger werden nicht gekauft weil man damit so wunderbar arbeiten kann, sondern vielmehr weil man mit ihnen im Internet surfen kann und mal schnell den einen oder anderen Post in einem Social Network absetzt. Und so ist das eben auch mit Tumblr im Verhältnis zu einem klassischen Blog. Und vor allen Dingen den Menschen dahinter. Ich möchte jetzt niemandem etwas vorwerfen, wir haben ja mittlerweile genug Gestaltungsmöglichkeiten im Bezug auf unsere Lebensplanung, aber man merkt eben doch dass ein markanter Anteil der Bevölkerung einfach ein politisches Desinteresse aufweist.

Und was lernen wir daraus?
Ich glaube weiterhin dass es eher auf die Verpackung als auf die Inhalte ankommt. Politik attraktiver gestalten. So muss es sein. Plakativ und von mir aus propagandistisch. Wie bei der Anfangs erwähnten BILD. Denn im Grunde geschieht hier ja nichts anderes wie auf Tumblr. Es werden Bilder geteilt, weil sie lustig sind oder eben direkt emotional bewegen. Und das muss Politik eben auch können. Niemand hat ein Interesse daran einen Artikel über einen politischen Sachverhalt zu lesen der ungefähr so trocken ist wie der Beipackzettel einer Aspirin. Wir müssen diesen ganzen Unmus bunter gestalten. Natürlich sind die Themen immer schwer. Und vor allen Dingen wenn man so wie ich ein mediendesigntechnischer Totalausfall ist, kommt es eben darauf an sich etwas mehr anzustrengen. Darum gibt es eben auch neuerdings von mir Videos, die sich inhaltlich gleich sind mit den von mir geschriebenen Artikeln. Weil ich einfach davon ausgehe, dass es eben auf die Verpackung ankommt. Und wenn ich durch diese Maßnahme nur einem einzigen mehr Verständnis für ein Thema bringen konnte, dann habe ich damit schon viel erreicht.

Raus aus der Arroganz – Rein in das Leben
Ich mache mich ja recht gerne über Berufsbezeichnungen a la Innovation Evangelist, Social Web Evangelist usw. lustig. Auf einen Blick sieht man da, wie viel geballte Inkompetenz da vor einem steht. Aus dieser Einstellung heraus wächst natürlich auch eine gewisse Arroganz. Man wälzt sich in Businesstermen und hofft darauf wenigstens von einem kleinen Teil verstanden zu werden. Das muss und darf nicht sein. Artikel und Videos zugänglicher gestalten. Im Web geht es um Inhalte, und nicht um einen selbst. Das ist der Weg für mehr Verständnis im Social Web.

Und man soll ja mit gutem Beispiel vorran gehen. Darum an dieser Stelle, der inhaltliche gleiche Beitrag als YouTube Video.

Wie immer hoffe ich dieser Artikel hat Dir gefallen und konnte ein wenig zu nachdenken anregen. Wenn Dir auch der Rest dieses Auftritts hier gefällt, dann himmelhochjauchze und teile diesen Artikel in einem Social Network deiner Wahl. Und den Blog kannst Du auch abonnieren und kommentieren. Die Wahl der Waffen überlasse ich also Dir.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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