Social Web: Warum Journalisten und Blogger in Zukunft zusammenarbeiten werden

Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt warum niemand die Arbeit von JournalistInnen in Frage stellt? Also irgendwie machen das ja alle, aber so richtig kritisiert wird bis auf Redakteure des Springer-Milieus eigentlich niemand. Und warum wird die Arbeit von BloggerInnen dagegen so oft kritisiert? Der zeitliche Aufwand für Recherche etc. wird ja eventuell der gleiche gewesen sein. Aber es ist halt nicht so einfach. Alles hat seine positiven und negativen Aspekte. Die aktuellen Argumente gegeneinander sind nicht schwer zu halten. Und es gibt eigentlich nur ganz wenige Punkte die für das andere Medium sprechen. Aber wie immer. Eines nach dem anderen.

Die deutschsprachige Blogosphäre

Wir schminken uns
Erstaunlicherweise geschieht in der Blogosphäre gerade sehr viel. Wie beispielsweise der Start von #Blognetz welcher prägnant durch eine Visualisierung die Vernetzung der Blogger untereinander darstellen möchte. Natürlich mit vielen markanten und begründeten Kritikpunkten. Und dann auch erstmal Facebook only. Selbstverständlich arbeitet Luca Hammer gerade daran diesen Umstand zu minimieren und Twitter, Google+ und die anderen Social Networks zu integrieren. Aber so richtig hat das ja trotzdem nichts mit der Blogosphäre zu tun. Es geht ja darum wie Blogs untereinander vernetzt sind und nicht wie Blogger ihren Blog in ein visualisiertes Blogverzeichnis werfen.

Die Qualität der deutschen Blogger
Ich würde mal behaupten von dem Eindruck den ich mir jetzt seit einigen Jahren machen konnte, haben wir da eine ganz einfach Aufteilung: 20 % der deutschen Blogs bieten auch gute Inhalte. Die allerdings nur sehr wenige lesen. Die anderen 80% haben sich in irgendeiner Art und Weise dem Affliatemarketing (also “Geld im Internet verdienen”) angeschlossen oder machen einfach irgendwelche privaten Blogs über dies und das. Die Konsequenz aus dem Gedanken heraus mit Affliate, Werbung etc. Geld im Internet zu machen, macht diese Affliate Leute betriebsblind. Gegen Werbung selbst spricht ja nichts, wenn da nicht einfach 90% des Blogs daraus bestehen. Ein Dilemma für das sich allerdings die Affliates entschieden haben. Natürlich bekommt man haufenweise Besucher wenn man über trivialen Schwachsinn schreibt der anderswo schon zig Male geschrieben wurde. Google denkt dann einfach der Beitrag ist aktueller und dadurch vorrangig wichtiger.

Warum Affliate funktioniert
Google ist ja auch kein Hellseher und verstehen wird die allwissende Suchmaschine deine Worte auch nicht. Darum wird kategorisiert und gerankt. Nach sozialen Faktoren gesucht. Und das war es dann auch schon. So komplex und mysteriös wie Google sich selbst nach außen darstellt, ist die Suchmaschine also gar nicht. Diese Faktoren kann man eben auch ausnutzen. An dieser Stelle kommen wieder die Affliates ins Spiel, die dies maßlos tun. Titel wie “Die 10 besten Tipps um ein Steak zu essen” oder “5 Tricks mit denen Du im Job garantiert befördert wirst” sind exemplarisch für diese Form der Selbstvermarktung. Alle anderen Affliates beschäftigen sich mit Homöopathie oder esoterischem Unfug. Die inhaltliche Qualität ist eher durchschnittlich und nichtssagend.

Warum Affliate Scheiße für das Internet ist
Abgesehen davon dass man neben dem gesuchten Inhalt mit Werbung zugeschwemmt wird, haben Affliates noch einen anderen Nachteil. Mit ihrer ganzen Backlinktauscherei und den tollen anderen Effekten der “Vernetzung” mindern sie nach einiger Zeit nicht nur die Qualität ihrer eigenen Reputation sondern zerstören auch den nötigen Zusammenhalt innerhalb der Blogosphäre und natürlich auch deren Reputation. Wie ich jetzt aus den ersten Wochen aus der Gruppe bei Blognetz heraus hören konnte, sind die klassischen konventionellen Blogger ebenfalls genervt von dieser Thematik. Im Prinzip funktioniert das mit Blogs nach einer ganz einfachen Regel: Es wird auf das gelinkt was gefällt und was nützlich ist. Das bis auch ein paar Tech-Blogger niemand etwas von den “8 Vorschläge um dein iPhone zu pimpen” hat, ist klar. Auf natürlichem Wege würde darauf also gar nicht so oft verlinkt werden. Erstens weil es viel zu viele Blogs mit ähnlichem Inhalt gibt und zweitens weil sich niemand die Blöße geben möchte auf billig verpackte Scheiße reinzufallen und dadurch die eigenen Leser dorthin zu schieben. Interessant wäre es aus Blognetz heraus die ganzen Affliates zu markieren und meiner Meinung nach geschlossen aus dem Web zu werfen. Weil das nicht geht muss man sich wohl oder übel mit der aktuellen Situation zufrieden geben und diese Kreise weiterhin vermeiden.

Es besteht noch Hoffnung
Blogger sind größtenteils zwar Privatpersonen die einen Teil Ihrer Freizeit für das Bloggen opfern, aber auch nicht davon leben können und müssen. Zudem werden durch den zeitlichen Faktor ausführliche Recherchen erschwert bzw. unmöglich gemacht. Aber mittlerweile wird auf einige Blogs auch von journalistischen, anerkannten Medien verlinkt. Und das aus gutem Grund. Denn neben diesem ganzen Affliatekram gibt es da eben noch diese Blogs die wirklich eine Ahnung von ihrem Thema haben und dieses auch ausführlich von allen Seiten beleuchten. Von daher mein Appell an alle Blogbetreiberinnen die sich gerade angesprochen fühlen: Unbedingt so weiter machen! Auch wenn Google einen abstraft weil man Keywording oder sonstigen Kram nicht berücksichtigt. Es geht. Nicht wir müssen lernen wie die Maschine funktioniert. Sondern die Maschine muss lernen wie wir Menschen funktionieren.

Journalismus heute

Das Dilemma der Etablierten
Nach dem letzten großen Aufschrei den es im Internet gab um den Appell der klassischen Medienverlage doch bitte die AdBlocker auszuschalten sieht man recht eindeutig, dass die Verlage sich derzeit in einer misslichen Lage befinden. Es geht um den spürbaren Medienwandel. Der sich in erster Linie natürlich auf die einzelnen Redaktionen herunterbricht und den Journalisten nicht immer viel Freiraum gibt. Entgelte sinken und der Journalist muss langsam aber sich um jeden Leser um sich herum kämpfen.
Da stehen diese Blogs einfach im Weg. Viel zu oft mussten sich die Zeitungen anhören qualitativ im Laufe der Jahre nachgelassen zu haben. Und unzählige Blogs mit guten Inhalten stehen dem eben gegenüber. Dies ist allerdings nur ein Gesamteindruck, denn auch viele Journalisten sind noch Betriebsblind. Es geht als Journalist nicht mehr darum das eigene Verlagshaus möglichst gut zu repräsentieren. Sondern eben auch sich selbst. Vor allen Dingen sich selbst. Denn langsam aber sicher sterben Verlagshäuser aus. Den Höhepunkt dieser Entwicklung werden wir je nachdem in etwa 10 Jahren zu erwarten haben. Denn ein Verlag funktioniert in etwa so: Zum Teil sind Redakteure angestellt, aber es gibt eben auch freiberuflich tätige. Wenn es dem Verlag schlecht geht werden die Freiberufler nicht mehr gebraucht. Ab dann ist alles reine Selbstvermarktung. Um entweder neue Aufträge zu bekommen oder doch wieder eine Anstellung bei einer Redaktion anzustreben. Jetzt gibt es langsam aber sich immer weniger Medienhäuser. Die werden einfach die nächsten Jahre langsam aber sicher wegbrechen. Also kommt auch in diesem Markt der Punkt an dem es mehr Freiberufliche Journalisten gibt, als zu besetzende Positionen.

Journalismus als Mikrokosmos
Es werden sich an anderer Stelle aber neue Besetzungen für Positionen auftun: Onlinemedien. Und zwar jeglicher Art. Ob Blog, Newsmagazin oder Firmenwebsite. Die merken alle irgendwann dass ihr Marketinggeschwätz wenig hilft, also lernt man sich das Knowhow eben an, oder man lässt partiell Aufträge erledigen oder stellt sogar jemanden an. Natürlich werden Verlagshäuser nicht komplett wegsterben. Ein paar regionale Institutionen werden bestehen. Ganz einfach weil es für diesen Nischenmarkt keinen akkuraten Ersatz gibt. Dazu ist es aber eben auch wichtig dass, die momentan so minderwertig erscheinenden Blogs, momentan zwar gnadenlose Selbstvermarkter sind, aber unter den Lesern auch ihre Daseinsberechtigung genießen und von daher wohl auch in Zukunft zunehmend bevorzugt werden.

Warum wir uns austauschen sollten

Analog vs. Digital - Der Kampf um die Reputation

Analog vs. Digital – Der Kampf um die Reputation

Es geht um Reputation und den digitalen Medienwandel
Diese ganze Wutbeißerei um sich herum bringt doch niemandem was: Weder den Bloggern die teilweise noch händeringend nach medialer Aufmerksamkeit unter den Journalisten suchen noch den Journalisten die größtenteils nach unten mit den Füßen treten um ja nicht ihren Ruf zu verlieren. Um den vermeintlichen Kampf der Reputation ging es ja auch bei der Debatte um das Leistungsschutzrecht. Ich glaube es sollte gar keinen Kampf geben. Bestärkt werden müssen beide Seiten. Die Blogs weil deren Qualität wirklich unterschätzt wird und die Journalisten weil diese uns schon seit Jahren mit guten Inhalten bereichern und außerdem eben auch eine entsprechende Professionalität mit sich bringen. Im Hinblick auf die weitere Entwicklung in den Medien muss von daher dringend empfohlen werden, in erster Linie den rauhen Ton aus der langanhaltenden Diskussion herauszunehmen und sich überlegen wie man sich kooperativ annähern kann. Durch soziale Aggregatoren und die immer schneller werdenen Digitalisierung der Gesellschaft werden Printmedien eben aussterben. Darum ist es umso wichtiger jetzt schon die Weichen für die Zukunft zu stellen. Und zwar von beiden Seiten. In der Zukunft brauchen wir einander.

Meine persönliche Empfehlung
Journalisten sollten sich unbedingt einen Blog zulegen. Viele werden das schon getan haben, den anderen kann ich nur empfehlen in dieser Hinsicht nachzugehen, den es geht wie schon des öfteren in diesem Artikel erwähnt um den Medienwandel und der wird eben von analog zu digital vonstatten gehen. Dieser Blog wird einzig und alleine dazu da sein, die eigene Reputation im Internet zu stärken und vor allen Dingen in einigen Jahren zu bekräftigen. Es geht ja um deinen Marktwert.

Blogger sollten die Situation nicht so verbissen sehen. Klar, wir haben keinen “offiziellen Stempel” um in der Medienwelt überhaupt Ansprüche zu stellen, aber wir sind jetzt schon ein fester Teil der medialen Zukunft. Also weitermachen und sich von Google nicht ins Bockshorn jagen lassen.

Die Medienlandschaft der Zukunft ist segmentiert
Sehr irritierend, aber so ist es. Nachrichten werden nicht zentralisiert in Verlagshäusern erschaffen, sondern eben dort wo sie entstehen. Entweder bei den Journalisten oder eben den Bloggern. In Zukunft wird es wohl eher darum gehen wer schneller ist. Wir sehen uns also einer zunehmenden Dezentralisierung der Medien gegenüber stehen. Wobei die Medien ja letztlich für den Leser bzw. Konsumenten nicht dezentralisiert erscheinen sondern irgendwo aggregiert, also zusammengefasst werden. Und da gilt einfach: Wer qualitativ punktet wird auch von den Lesern dafür belohnt.

Ich habe mir im Vorfeld schon viele Gedanken über diese Thematik gemacht und bin zu dem oben genannten Fazit gekommen. Von daher würde mich Deine Meinung zu dem Thema interessieren. Egal ob Leser, Journalist oder Blogger. Es ist einfach sehr wichtig dass wir uns diesen Dialog und vor allen Dingen den aktuellen Wandel vor Augen führen und gemeinsam agieren. Wenn Dir der Artikel gefallen hat, dann empfehle ihn doch gerne weiter oder schreibe deine Meinung einfach in die Kommentare.

The following two tabs change content below.
Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

flattr this!

Comments
  1. Susanne
    • Christian Fein
  2. Rob Vegas

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*