Social Web: Warum ich kein Tablet kaufe

Seit knapp einem halben Jahr blogge ich schon nicht mehr aktiv über das Social Web. Über die ganzen Facebooks, Lobos und Innovationsvangelisten, Social Web Pioniere und Affliatekasper da draußen. Ihr könnt euch nicht einmal im Ansatz vorstellen wie es mir jetzt ein halbes Jahr später geht. Die Verteidiger netzpolitischer Interessen für das Internet haben auf ganzer Linie versagt. Die deutschsprachige Blogosphäre ist zersplitterter und fragmentierter als jemals zuvor und seit der Ära Snowden gibt es scheinbar auch keinerlei Gründe sich um die Begrifflichkeit der Privatsphäre zu sorgen. Das sollen die Unternehmen und Staaten schon unter sich aus machen, die Folge: Alle Social Networks sind sich mittlerweile so gleich, das nur noch Twitter mit der Charakteristik hervorsticht persönlicher und vor allen Dingen knackiger zu sein durch die berühmten lediglich 140 Zeichen.

Parodien für Millionen
Eine bemerkenswerte und gleichfalls vollkommen erschreckende Entwicklung ist die parodierende Wirkung die mittlerweile die “Innovationen” im Social Web haben. Hat ein Anbieter Fotofilter, haben sie alle anderen eine Woche später. Wenn andere Smileys in Chats unterstützen machen es die anderen “Leader” ein paar Wochen später nach. Das hat nichts mehr mit Innovation zu tun und Erfindungsreichtum aus dem Silicon Valley. Im Prinzip ist das ja nichts anderes als umetikettieren und für neu verkaufen. Und es funktioniert. Es gibt ja mittlerweile nicht einmal mehr Unterscheidungen in den Zielgruppen der Social Networks. Alles muss rein und deswegen muss alles auch möglichst gleich aussehen. Jetzt wird sich der eine oder andere Fragen: “Moment, das war ja schon vor einem Jahr so! Was schwallt der da denn für eine Scheiße?”. Korrekt, jetzt ist es allerdings so weit, dass selbst auf Marketingebene nur noch von guten und schlechten Networks geredet wird, es aber keine Alleinstellungsmerkmale mehr herausgefiltert werden können, weil alles so unerträglich gleich ist.

Halt nein! Die Social Networks machen sich doch für mich im Netz stark!
Ja genau. Die sind dafür verantwortlich dass du die Eminem – Monster (Goat Edition) schneller auf Facebook, YouTube oder sonstwas finden konntest. Aber: Das war es dann auch schon wieder. Wie ich letztes Jahr schon gesagt habe: Durch die NSA und andere Geheimdienste bleibt Unsicherheit. Du kannst dir den Aufruf von den Anbietern von wegen “Wir sind jetzt aber wieder viel sicherer” vorstellen wie einen Fischhändler der seinen Fisch als “gerade frisch gefangen” bezeichnet, obwohl jeder weiß dass er 4 Wochen alt ist und den ganzen verdammten Markt voll stinkt. Dieses Privatsphärenproblem ist tatsächlich ein politisches und lässt sich auf technischem Wege wohl nicht mehr so schnell lösen weil wir: 1. Auf keine Hochsprachen in der Programmierung setzen und 2. Das Problem sehr tief verankert in der Architektur des Internets liegt. Das lässt sich nicht von heute auf morgen lösen und wenn man den derzeitigen Meldungen glauben kann, die derzeit hochkommen, ist alleine schon der entsprechende rechtliche Grundsatz mittlerweile rund 60 Jahre alt.

Neujahrsdevise: Weniger Tablets - Mehr Kaffee

Neujahrsdevise: Weniger Tablets – Mehr Kaffee

Es bleiben also nur 2 Möglichkeiten: Entweder. Oder.
Man kann es sich relativ einfach machen und diesen ganzen Kram bezüglich eigener Profile, Reputation etc. einfach löschen. Kein Facebook. Kein Twitter. Kein wkw. Aber was hat man dann gemacht? Offensichtlich verloren. Der fiese Dreh und Angelpunkt ist im Social Web doch auch, dass man ständig mit seinen sozialen Kontakten konfrontiert wird um eben doch dort zu bleiben. Also ist das Oder: Bleiben. Sich aber vollkommen unauthentisch benehmen. Das gewährleistet weiterhin die Kontakte wegen denen man ohnehin in das Social Network gegangen ist. Zudem: Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen doch auch dass man als Person nicht mehr ernst genommen wird, es zählt zumindest augenscheinlich nur noch die potentielle Kaufkraft. Warum also diesen ganzen anderen Kram auch so verbissen und ernst sehen? Warum soll man etwas für voll nehmen, wo man nicht selbst für voll genommen wird? Ich selbst sehe das auch so und habe deswegen auch wieder Twitter für mich entdeckt. Ganz einfach weil die hervorherrschende Anonymität mir selbst zumindest noch das Gefühl vermittelt Freiheit zu verspüren.

Warum ich also kein Tablet kaufe
Die gesamte Weihnachtszeit über wollten mir diverse Leute im Fernsehen, auf Webseiten etc. unbedingt einreden das ich ein Tablet brauche. Und ich habe es auch wirklich geglaubt. Das paradoxe war: Ich wusste nur nicht wozu ich eigentlich ein Tablet brauche. Es gibt für niemanden einen rationalen Grund ein Tablet zu kaufen. Für explizit niemanden. Durch die Touchscreens etc. ist ein Tablet sogar ein minderwertiges und minderproduktives Produkt. Und trotzdem hat es so einen enorm großen Markt für sich gefunden. Der Grund ist bekannt. Durch ein Getränk aus Österreich. Bei Red Bull generiert man auch den größten Teil der Einnahmen durch Werbung. Bei Tablets funktioniert das im Prinzip auch so. Es ist deprimierend, wenn man bedenkt dass die technische Tiefe bei einem Tablet mit etwas Java kompilieren schon wieder endet und das nach über 5 Jahren Entwicklungszeit dieser Geräte. Wir werden merklich hingehalten. Ganz einfach.

Worum es mir wirklich geht
Eigentlich will ich nur etwas loswerden: Rennt nicht jedem Mist hinterher. Ich verstehe die jüngeren Generationen gut, wenn die in Snapchat oder Whatsapp Alternativen zu den “traditionellen” Social Networks suchen. Die haben aber auch Gründe. Weil sie halt nicht an 2014 als das Jahr erinnert werden möchten, in dem man auf Facebook immer noch Bilder mit Tweets aus Twitter und Hintergründen von Instagram garnierte und diesen Kram dann halt Faktastisch oder sonst was nennt. Das ist ein Grund. Dieses herumgeeier und nachgeeifer nach neuen Trends und immer größeren Ultra-HD Tablets ist dagegen totaler Unsinn. Lasst euch das nicht einreden. Spart euer Geld und investiert in Dinge die ihr wirklich braucht.

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, freue ich mich natürlich wenn du ihn teilst. Irgendwo. Oder Du schreibst mir deine Meinung. Dafür gibt es viele Wege. Am einfachsten geht es mit einem Kommentar. Danke für deine Aufmerksamkeit.

The following two tabs change content below.
Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

flattr this!

Comments
  1. sylar_5
    • Christian Fein
  2. sylar_5
    • Christian Fein
      • sylar_5

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*