Social Web: Von der Trollkultur und der Telekom

Ihr habt das ja bestimmt schon mitbekommen und vielleicht auch schon mitgeschrien. Die Telekom möchte eine Datendrosselung auf Internetanschlüsse durchsetzen. Ab Mai sogar schon. Caschy hat zu dem Fall einige Details gesammelt und sogar schon Infos von der Telekom bekommen. Alle anderen übrigens auch. Die einzigen konkreten Angaben die es derzeit gibt sind folgende: Es existiert eine Tabelle mit Produkten und den jeweiligen Limits welche ab Mai durchgesetzt werden sollen. Bei Überschreitung der Limits tritt die Drosselung von 384 KBit/s ein. Dies sind die derzeitigen Stände und Fakten.

Wird die letzte Meile gedrosselt? - Quelle: Telekom.de

Wird die letzte Meile gedrosselt? – Quelle: Telekom.de

Es wird allerdings nicht darauf eingegangen welche Pakete im Internet betroffen sein werden. Und es wäre vollkommener Wahnsinn wenn die Telekom jetzt bspw. Ihre Set-Top-Boxen von T-Entertain mit einrechnen würde. Selbst bei einem 50 MBit VDSL Anschluss wäre dann bei normalen Fernsehgewohnheiten und ohne HD-Programm nach rund 200 Stunden Schluss mit Fernsehen. Von daher ist davon auszugehen, dass explizit dieser Paketverkehr nicht mit eingerechnet wird. Der gewöhnliche Telekomkunde könnte dann nämlich nur noch 10 Stunden pro Tag vor dem Fernseher herum hängen. Bei 16 MBit Entertain sogar nur 3,5 Stunden.
Ja selbstverständlich gehen von einem gewöhnlichen Internetanschluss noch viele andere Geräte ab. Aus jenem Grunde verfolgt die Telekom ja auch die Politik bspw. Streamingdienste wie Spotify oder das Hauseigene Entertain nicht in das Volumen einzurechnen. Dies ist zwar noch nicht offiziell bestätigt wird aber bei der detaillierten Herausgabe der Konditionen zu erwarten sein. Weil alles andere offen gesagt einfach nur Wahnsinn wäre.

Warum Du ein Troll bist und es auch anders machen könntest
Was mich aber an der ganzen Sache am meisten störte: Der große Aufruhr der gerade darum gemacht wird. Wir wissen faktisch nichts, nur dass die Telekom eine Datendrosselung plant. Aber der jeweilige Umfang der Drosselung ist noch nicht bekannt. Bemerkenswert, wenn man sich überlegt wie viele Menschen sich über die sogenannten Trolle beschweren, sich aber in eben dieser Situation exakt so verhalten und agieren.
Es geht darum Fakten zu berücksichtigen. Dies geht aber sehr gerne in den Social Networks wie Twitter oder Facebook unter. Nach einiger Zeit interessieren die Hintergründe gar nicht mehr und es werden urbane Geschichten aufgetischt. Zugegebenermaßen: Es geschieht zur Zeit sehr, sehr, sehr viel und die Ereignisse überschlagen sich geradezu. Trotz allem ist es wichtig fertig aufbereitete Informationen auch hintergründig auszuleuchten, bevor man diese weiterverbreitet. Ein unberechtigter Shitstorm ist schnell entstanden.
Mit der gleichen Vorgehensweise kann man übrigens auch bei Dienstleistern und Produkten vorgehen. Wie jetzt bei der Telekom. Sobald die entsprechenden Fakten auf dem Tisch liegen, kann man sich entweder für oder gegen das Produkt bzw. die Dienstleistung entscheiden. So einfach ist das.

Wir befinden uns in einer Hochphase des Kapitalismus. Das ist Fakt und es muss nicht unbedingt schlecht sein. Aber man muss auch nicht jeder Kuh hinterherjagen die auf der Weide steht. Die Entscheidungsfreiheit und vor allen Dingen die Verantwortung für dich und deine Umwelt liegt immer bei dir. Kein Großkonzern wird auf dich und dein kleines Leben acht geben. Das gilt für uns alle. Für Unternehmen ist es eben leichter geworden den Kunden mit freundlichem Nachdruck in kleine Formen zu pressen. Aus eben jenem Grund kann ein Telekommunikationsunternehmen eben darüber entscheiden ob es jetzt eine Drosselung durchsetzen möchte oder nicht. Unter den gleichen Gesichtspunkten kann aber auch Google sagen, dass ein beliebtes Produkt wie der Google Reader eingestellt wird. Ohne Rücksicht auf den Konsumenten. Dann bleibt es einem selbst überlassen sich Alternativen zu suchen oder eben weiter bei dem Hersteller bzw. Anbieter zu bleiben.

Die Trollkultur muss endlich ein Ende haben
Ganz aktuell hat Sascha Lobo auch geschrieben, dass wir uns netzpolitisch endlich weiter entwickeln müssen. Aber nicht nur in der Politik sondern auch gesellschaftlich innerhalb des Internets. Im Prinzip also genau das was ich schon seit Jahren auf meinen Blogs hin und her predige. Wir könnten schon soviel weiter sein. Stattdessen lassen wir uns von halbherzigen Apps und sozialen Netzwerken einlullen, welche uns das Leben auf der einen Seite zwar erleichtern aber Einschnitte im gesellschaftlichen Miteinander schüren. Wir müssen nicht nur innerhalb der Social Networks vernetzt sein, sondern auch über multiple Verbindungen. In diesen zukünftigen Intersozialen Netzwerken werden wir die Möglichkeit haben aus dem mittlerweile schon in die Jahre gekommenen Informationszeitalter, in die nächstmögliche digitale Evolutionsstufe zu kommen. Dem Zeitalter der Innovationen.

Ich hoffe der Artikel hat Dir gefallen. Wenn Du diese Aussage bestätigen kannst, dann empfehle mich doch einfach weiter.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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