re:publica 13: Wir müssen es besser machen!

Es ist wieder soweit. Wir schauen auf Berlin. Diesmal allerdings nicht wegen einem überteuerten Flughafen mit Namen BER oder den neuesten irrsinnigen Plänen der Telekom und dem doch sehr verhaltenen Widerstand der Bundesnetzagentur. Nein. Das deutsche Internet trifft sich. Wie jedes Jahr. Denn es ist re:publica. Man diskutiert auf Symposien, Vorträgen und Diskussionen über die mögliche Zukunft des Social Webs und der Architekturen des Internets. Und dreht sich dabei im Kreis. Wortwörtlich.

Zwischen Fachwissen, Nerdtum und Seriösität
Die Netzgemeinde befindet sich im Zwiespalt. Das wissen wir alle. Dazu braucht man allerdings auch keinen Kongress zu halten. Man zeigt sich versucht zwischen Fachwissen und lustigen Erzeugnissen und möchte dabei trotzdem noch ernst genommen werden. Aber es mag nicht gelingen. Wer da jetzt an die ständig in sich selbst kollabierenden Piraten denkt liegt nicht falsch. Die haben nämlich das gleiche Problem. Ständig kommt einer daher und sagt: “Hey, wir machen jetzt was Großes!”. Und je nach Grad der Anerkennung wird das Thema entweder akzeptiert oder niedergeknüppelt.
Wenn das Thema akzeptiert wird, versucht man es medial aufzulockern und aufzuarbeiten. So auch bei dem Thema Netzneutralität und der Drosselkom. Jetzt nur als Beispiel. Der Ansatz ist großartig. Machen wir doch einfach einen Film um komplizierte Dinge zu erklären. Das Problem daran ist diesen Film sehen im wesentlichen aber eben nur wir. Nicht der Fachfleischverkäufer von nebenan, nicht die Verwaltungsfachangestellte aus der Kommune. Wir bereiten also Themen, die wir bereits kennen, für uns auf. Wie überaus sinnvoll. Nicht.

re:publica - Der Stein des Anstoßes hat gefehlt

re:publica – Der Stein des Anstoßes hat gefehlt

Wir wissen das! Aber wer sagt es den anderen?
Und schon bin ich mittendrin. Und ihr auch. Vor genau 16 Monaten, als ich auf meinem alten Blog meine ersten Artikel schrieb, dachte ich mir auch immer: Diese Themen schreibst Du einfach so auf wie sie kommen und versuchst ein bisschen verständlich zu bleiben. Es war eine Illusion. Mir ist schon sehr früh klar geworden dass dies nicht der Weg sein kann, den ich mit dem Internet gehen will. Er ist einfach viel zu spezifisch und schließt im Vorfeld die Leute aus die ich erreichen will. Ich könnte jetzt hier an dieser Stelle auch ganz viel über das mumblen, pinnen, tweeten, posten, liken, plussen und faven schreiben. Aber wer versteht das? Außer uns?
Die deutschsprachige Netzgemeinde steht der englischsprachigen in keinster Art und Weise nach: Wir haben Experten im Zusammenfassen und Auswerten großer Datenbestände (Big Data), Programmierer für Ereignis- und Ortsbezogene Anwendungen (Augmented Reality) und natürlich unzählige private und geschäftliche Magazine zu den verschiedensten Fachbereichen (die Blogosphäre). Natürlich gibt es noch unzählige andere die sich für die Netzgemeinde stark machen, bzw. immer noch versuchen diese intensivst zu verstehen.

Das Internet und das Social Web sind eben nicht leicht verständlich und leicht zugänglich. Trotz dem ganzen grafischen Firlefanz und Simplicity. Mir fallen spontan Leute ein (auch in meinem Bekanntenkreis) die immer noch der Meinung sind im Browser möglichst oft die “Zurück”-Taste zu drücken um auf die Start-Seite zurückzukommen, weil deren Verständnis vom Internet einer VHS-Videokassette entspricht (!), und die muss halt zurück gespult werden. Aber um genau diese Leute geht es eben. Wir müssen genau diese Leute erreichen. Nicht uns selbst. Wir lesen und sehen uns so oder so. Da braucht es keine Selbstbeweihräucherung in Form eines Kongresses.

Wir können das! Aber wie verständigen wir uns?
Caschy hat das im Sinne der Drosselkom-Debatte um die Netzneutralität schon richtig erkannt. Es geht nicht darum uns zu erklären, ab wie vielen Kilobytes wir nur noch soviele Gigabyte zur Verfügung haben und dies bei Managed Services nicht angerechnet wird. Das verstehen wir und begrenzt können wir dies auch vermitteln. Aber das war es dann auch schon. Denn die Betroffenen verstehen es nicht. Man versucht sich an einem Zwischenweg. So gab es auch einen Vortrag auf der re:publica in welchem die zentrale Aussage war: Blogs sind obsolet, die Zukunft gehört den Videos, also YouTube und ähnlichen Portalen.
Nicht wirklich. Wir brauchen beides. Wir brauchen Videos die einfach und verständlich schwere Inhalte vermitteln. Aber wir brauchen als als fachlich fundierten Hintergrund eben die Blogs. Als intellektuelles Backbone des Internets sozusagen. Leider müssen wir uns eingestehen, dass wir fachlich so tief drin sind, das wir nur in den seltensten Fällen in der Lage sind unsere Kompetenz auch nach außen so darzustellen. Uns steht die eigene Kompetenz im Weg. Obwohl es doch so wichtig wäre. Wir sind von uns selbst zerkompetenziert worden. Hier an dieser Stelle ein schönes Fazit von @zeitweise.

 

Machen! Aber was?
Sascha Lobo hat es in seinem Überraschungsvortrag auf der re:publica uns nahe gebracht: Wir sollen Machen! Und es stimmt schon, die ganze Energie die wir in Wut oder irgendwelche Shitstorms investieren, können wir auch darauf verwenden etwas zu machen. Etwas produktives. Irgendwas halt.
Dadurch dass uns Lobo allerdings keinen Hinweis gegeben hat, was man denn nun machen könnte, würde ich einfach vorschlagen den Satz umzuformulieren: Besser machen! Eine Eigenheit der Netzgemeinde ist es oftmals sich regelrecht zu empören, aber keine Lösungen für die Probleme aufzuzeigen oder Gedanken einfach etwas weiterzuverfolgen bevor kritisiert wird.

Wir wissen was! Aber wer sagt das den anderen?
Wir müssen also etwas machen, denn wir befinden uns im Moment in einer Zeit der gesellschaftlichen Umwälzung. Von der Informationsgesellschaft zur Bildungs-, Wissens-, und Innovationsgesellschaft. Dabei stoßen wir aber auf ein weiteres Problem. Dem vermitteln von Wissen. Wie schon am Anfang aufgeführt, wir können unzählige Begrifflichkeiten für die unmöglichsten Dinge im Web verwenden. Aber die Frage ist doch ab welchem Zeitpunkt sind wir nicht mehr in der Lage unser Wissen zu vermitteln? Ich denke wir haben diesen Punkt schon längst erreicht.
Natürlich sind wir uns nicht bewusst darüber. Die Sache ist ja auch ganz einfach. Alles was in dem eigenen Weltbild vorkommt ist selbstverständlich. Und weil wir uns ja alle verstehen und alles so selbstverständlich ist brauchen wir uns ja auch nichts zu übersetzen.

Wir brauchen Stars!
Die populärsten Vertreter aus der deutschsprachigen Netzgemeinde sind Sascha Lobo, Mario Sixtus, Marina Weisband und dann noch ein paar Leute von den Piraten und die paar Überbleibsel von MTV bzw. GIGA TV. Sprich es sind genau die Leute die es durch Twitter, Facebook und Parteiarbeit es in der Öffentlichkeit ganz nach vorne geschafft haben, aber beim Otto-Normalverbraucher eben erst einmal diesen “Und wer ist das da? Was will der von mir?“-Effekt auslösen. Wir können ja ganz gut mit denen, weil wir sie verstehen, aber eben nicht der normale Nutzer.
Den Spagat zur Vermittlung von komplexen Inhalten als einfache leicht verständliche Kost ist aber am besten LeFloid gelungen. Hier in einem guten Beispiel in der Debatte zur Telekom und der Netzneutralität. Es kann also auch einfach gehen. Aber wir können das nicht mehr. Wir sind dafür viel zu tief in dieser ganzen Internetthematik drin. Es gibt jedoch eben Leute die trotzdem in der Lage sind zu vermitteln. Und das eben über Videos. Warum? Weil in Videos komplexe Sachverhalte vereinfacht dargestellt werden können. Oder eben auch Bilder. Das reicht erst einmal überhaupt um Inhalte verständlich zu machen. Wir brauchen nur noch die richtigen Leute dazu.
Ich bin mittlerweile auch der Meinung, dass Videos vielleicht auch der Weg sind Inhalte zumindest leicht verständlicher zu vermitteln. Momentan befinde ich mich da noch in einem sehr anarchischen Status, aber bemerke effektiv eine höhere Aufmerksamkeit und vor allen Dingen Verständnis. Wer also Lust hat mich auch zukünftig auf YouTube weiterzuverfolgen und meinen multimedialen Werdegang sehen möchte, kann mich gerne abonnieren.

Und was sollten wir jetzt ändern?
Nichts. Wir können ja. Und das wissen wir auch. Aber vielleicht sollte man das Projekt Netzgemeinde und Internet auch als eine Art Unternehmung verstehen. Wir haben eine riesengroße Fachabteilung, aber ein miserables mickriges Marketing. Und eben daran muss gearbeitet werden. Wir können Inhalte wie Netzneutralität, Datenschutz und Medienkompetenz nicht mehr vereinfacht vermitteln. Also muss es weiter mit den Themen gehen die wir ohnehin schon behandeln, wir sind ja Experten darin. Aber wir müssen eben versuchen diese auch Nutzer- und Politikergerecht aufzuarbeiten. Und wenn es eben mit Videos sein muss.

Ich hoffe dieser Artikel hat Dir gefallen, wenn er dir so gut gefallen hat und du unbedingt jemandem davon erzählen willst, dann tweete, poste oder erzähle davon. Wie siehst Du die Situation in der sich das deutschsprachige Internet gerade befindet? Und vor allen Dingen was war Dein Eindruck der re:publica? Mich würde das alles brennend interessieren, also rein damit in die Kommentare.

The following two tabs change content below.
Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

flattr this!

No Responses

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*