Netzpolitik: Wir brauchen Stars, verdammt nochmal!

Mario Sixtus, Alexander Lehmann und Sascha Lobo sagen Dir nichts? Das ist nicht schlimm. Und wenn sie Dir was sagen, solltest Du trotzdem hier bleiben. Denn es geht hier auch um Dich. Und damit meine ich sowohl dich als normalen Internetsurfer, als auch dich als einen Kenner der Netzpolitik. Wie Du ja mitbekommen hast geschieht im Internet gerade sehr, sehr viel. Also neben den täglichen Updates von Facebook, irgendwelche Nachrichten über xbeliebige Neuheiten und Gadgets die gerade auf den Smartphonemarkt geworfen werden. Es geht uns allen um Freiheit und zukünftige Richtungsweisende Fragen die auch auf deine mittelfristigen Karrieremöglichkeiten hinsteuern. Es geht um unsere Wirtschaft, gesellschaftliche Teilhabe, vor allen Dingen Gerechtigkeit und ein bisschen um RTL. Aber am besten zähle ich erst mal wieder alles der Reihe nach auf: Eins nach dem Anderen.

Ich will aber Spaß!
Und genau darum geht es auch. Das Internet ist nicht nur reine Informationsplattform sondern eben auch wichtig für den Austausch von Kultur, Lifestyle, Trends, Musik, Filmen und allem voran Nachrichten. Ein soziales Miteinander eben, wie im richtigen, analogen Leben. Das geht im Moment alles noch größtenteils kostenfrei. Zu verdanken haben wir dies im Moment der Werbung und eben Unternehmen bei denen wir freiwillig unsere Daten für noch mehr Werbung preisgeben. Und da draußen gibt es ganz viele Leute die sich dafür einsetzen dass dies weiterhin so ist. Netzpolitiker und eben Leute die sich ohnehin schon seit langem auch für den Schutz deiner Daten einsetzen. Dazu gehören auch Anonymus und Netzaktivisten. Aber auch bspw. Smudo von den Fantastischen Vier oder eben Du. Sich nicht für die eigenen Freiheiten im Leben und auch im Internet stark zu machen ist da ja schon ein bisschen verrückt. Ja schon fast schizophren.

Von digitaler Schizophrenie…
Man kann nicht erwarten dass im Web alles bleibt wie es ist. Da sind Rechte und Pflichten über die geredet werden muss. Ich kann mich noch an das Jahr 2000 erinnern und eine vollständig überforderte Politik mit dem Thema Internet. Und bis jetzt ist ja eigentlich alles komfortabler und besser geworden. Man hat für dich gesorgt. Aber ab jetzt braucht das Internet Dich! Denn die Bedrohungen und Herausforderungen die jetzt kommen sind langfristig einschneidend und noch hast Du die Möglichkeit mitzuentscheiden in welche Richtung es gehen soll. Ob Du lieber ein kostenfreies Netz haben möchtest oder ein für dich vorgefertigtes. So wie es gerade Facebook sich vorstellt. Alles an einem Ort. Das hört sich zwar ganz toll an, aber letztlich schadet es wirklich kreativen Projekten und irgendwie ist es dann ja auch merkwürdig wenn sich jeder nur noch in seinem eigenen kleinen Internet aufhält. Du musst also wissen was Du willst. Und ganz nebenbei: Mit jedem Klick machst Du Netzpolitik. Du bist also in der Lage mündig darüber zu entscheiden wie die Zukunft des Webs aussieht. Warum du aber nichts verstehst ist sehr einfach. Wieder einmal.

…auf beiden Seiten
Netzpolitik.org muss einem Außenstehenden vorkommen wie ein stammelnder Wissenschaftler der ab und zu in der Lage ist sich klar auszudrücken. Klar. Man will hier die Kernthemen wie Datenschutz, Netzneutralität, Kultur und Teilhabe vertreten. Netzpolitik eben. Aber verstehen das überhaupt die Leute die da draußen ganz normal im Internet surfen ohne sich in erster Linie Gedanken über das Web zu machen? Ich sage nein. Und das hat auch seinen ganz einfachen Grund. Die Problematiken werden so attraktiv präsentiert wie eine Steuerklärung. Siehe bspw. die Erklärung zur Netzneutralität von Netzpolitik.org. Dann anschließend zu fordern diese Meldung doch mit seinen Freunden zu teilen ist doch irgendwie absurd. Wie sollen diese Leute das denn verstehen?

Medienkompetenz muss Spaß machen
Ja natürlich ist das eher ein Thema von didaktischer Natur, also wie kann man etwas am besten lehren. Aber es geht ja in erster Linie auch um die Bereitschaft neue Themen überhaupt aufnehmen zu wollen die wichtig sind. Und wie in jeder Lernmethodik gibt es unzählige Varianten. Aber eines ist klar und das hat auch in seinem T3n-Artikel erkannt. Wir brauchen unbedingt digitale Aufklärung. Ich rede davon schon seit unzähligen Jahren. Und habe mir natürlich auch den Mund fusselig geredet aber bei eben den Leuten um die es geht nichts erreicht. Das ist es was sich ändern muss. Unser momentaner Ansatz um Medienkompetenz zu vermitteln ist wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Wer etwas nicht versteht soll sich gefälligst schlau machen oder einfach den ganzen Wust nochmal lesen. Das motiviert natürlich ungemein um auch in Zukunft noch Dinge zu lesen und sich damit irgendwie auch ohne Empfehlungen von Freunden zu befassen. Ich persönlich hatte dahin gehend ein Schlüsselerlebnis vor 3 Wochen. Mir wurde nahegelegt doch weniger Parteiarbeit zu machen. Dabei bin ich nicht einmal in einer Partei. Ich sympathisiere nicht einmal für irgendwelche Parteien. Und dann ist mir erstmal aufgefallen wie verdammt abstrakt wir unsere Themen eigentlich vermitteln wollen. Wir setzen ein gewisses Fachwissen voraus. Ist ja auch in Ordnung. Aber wer kümmert sich um die Vermittlung des Vorwissens?

Wir brauchen ein Zeitalter der digitalen Aufklärung
Zunächst einmal müssen wir uns darüber bewusst werden, dass wir trotz des Informationszeitalters eigentlich immer noch die gleichen Steineklopfer mit ein paar Fetzen Kleidung sind wie noch vor ein paar tausend Jahren, aber es gibt eben Leute die ihre Umwelt mehr oder weniger aufmerksam beobachten. Darum ist das Informationszeitalter ja auch eine Art “Alle können Alles”-Zeitalter. Weil es ja nicht mehr schwer ist sich in irgendwelche Themen einzulesen oder sogar ein Tutorial auf YouTube anzuschauen. Darum sind wir was den Arbeitsmarkt angeht ja auch austauschbarer geworden. Quereinsteiger gibt es jetzt im Prinzip in jeder Branche, und warum? Weil im Grunde schon der Enthusiasmus den Arbeitgeber davon überzeugt, jemanden vor sich zu haben welcher die Fähigkeiten einfach selbst erlernt. Und so sollte eben auch Medienkompetenz funktionieren. Die Leute dazu animieren sich diese Themen selbst anzueignen. Ohne große Probleme und in kurzer Zeit. Aber da gibt es ein anderes Problem: Niemand kennt uns.

Und wer bist Du?
Mario Sixtus, Alexander Lehmann und Sascha Lobo sind nur einige signifikante Persönlichkeiten wenn es um netzpolitische Themen geht. Auch wichtig sind natürlich die Piraten die ja auch versuchen ihren Teil beizusteuern. Und dann gibt es da noch den einen oder anderen mehr oder weniger populären Blog oder YouTube-Kanal. Aber das war es auch schon. Mit diesem Potential haben wir unsere Fachgebiete und Kernthemen des Webs abgedeckt. Aber wir haben niemanden der ernsthaft das Vorwissen vermitteln möchte. Es fehlt einfach ein eindeutiges Gesicht. Jemanden mit dem die Leute Spaß verbinden und von dem komplexe Themen in einfache Worte verpackt werden.

Wir brauchen Stars!
Ein einziger Mensch kann vielleicht schon ausreichen um all die komplexen Themen der Netzpolitik zu vermitteln. Wir brauchen Gesichter die eindeutig zu identifizieren sind und die Leute auch auf der Straße erkennen. Themen haben wir ja genug, dass wissen wir alle. Aber eben kein einziges markantes Gesicht welches in der Öffentlichkeit bekannt ist. Jetzt werdet Ihr natürlich sagen: Ja aber wir haben da die Piraten und wir haben Sixtus und Lobo und Weisband. Ne, eben nicht weil die Leute eben nur von denen verstanden werden die die Themen ohnehin schon immer verstanden haben: Administratoren, Netzjournalisten, Blogger, Entwickler, intensive Internetnutzer und eben alles mit einem fachspezifischen Hintergrund mit IT-Affinität. Natürlich ist das schon eine ganze Menge, aber es ist eben nicht genug. Wir müssen in der Lage sein alle zu erreichen die tatsächlich von bedrohlichen Änderungen des Webs betroffen sind. Also die sogenannten Silversurfer, Hausfrauen- und Männer, den Restaurantbesitzer um die Ecke, den Pastor, die Schüler, Studenten, Auszubildenden, Erwerbslose. Ganz einfach den normalen Internetnutzer.

Was brauchen die Stars der Netzpolitik?
In erster Linie und ist im Prinzip schon das allerwichtigste: Verständnis für bei Seiten. Einmal den Nutzer verstehen und natürlich auch die Netzaktivisten. Wie wird das Web wahrgenommen? Warum surfen die Leute im Internet? Und wieso stellen die eigentlich immer wieder diese nervigen Fragen ohne vorher zu googlen? Denn das sind alles Fragen die in erster Linie essentiell sind um die Netzpolitik auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung signifikant nach vorne zu bringen. Medienkompetenz eben. Und dazu gehört es auch selbst in der Lage zu sein die entsprechenden Punkte leicht verständlich vorzubringen und nicht mit der Dampframme einzuschlagen solange bis die Themen auch verstanden werden.

Und warum können das unsere jetzigen Größen der Netzpolitik und des Social Webs nicht?
Seien wir doch mal ehrlich: Beckedahl und Sixtus haben den Charme und Esprit eines Telefonbuches in der öffentlichen Wahrnehmung. Lobo ist perspektivisch und im Mittel zukunftsweisend, spricht aber mittlerweile auch in fremden Zungen. Und die Piraten? Die haben es nicht nur sich selbst verbaut sondern der gesamten Netzpolitik gegenüber. Es wird noch Jahre dauern bis wir aus dem Klischee des unkoordinierten Geektums herauskommen. Und genau darum brauchen wir eben unsere eigenen Anti-Koryphäen in Form von ein oder zwei Gesichtern die sich popkultureller Attribute bedienen und einfach immer da sind.

Die neuen Stars werden nicht jedem gefallen (dürfen)
In der Verantwortung für unsere Rechte im Internet einzustehen, müssen wir es auch zulassen dass einfach eventuell zuerst zu akribische Details weggelassen werden. Wen interessiert bspw. bei dem Thema Netzneutralität und Telekom das dahinter Managed Services stehen? In erster Linie niemanden. Außer dass von uns ohnehin schon ständig angesprochene Publikum: Nämlich wir selbst. Und das darf nicht sein. Wir müssen populistisch werden wie RTL oder die BILD-Zeitung. Natürlich ist es nicht unbedingt vertretbar winzige Details am Anfang wegzulassen. Aber bei dem Thema Netzneutralität müssen wir uns bspw. auf das wichtigste reduzieren um überhaupt effektiv bemerkt zu werden: Dein Internet wird langsamer. Punkt. Mehr braucht es nicht um Interesse zu wecken. Details wie die allzu ausführliche Einleitung in die Netzneutralität können ja immer noch als Anhang oder Verweis eingebracht werden. Und damit haben wir dann wirklich schon viel erreicht. Die neuen Stars müssen medienwirksam aber nicht albern wirken. Quasi eine neue Form der Popularität für das Internet und dessen Relevanz herstellen.

Wer kann Netzpolitik und dabei noch gut aussehen?

Wer kann Netzpolitik und diese auch gut erklären?

Und wer sollen die neuen Stars sein?
Ich habe keine Ahnung. Vom Prinzip her könnte es jeder machen. Du. Ich. Oder sonst wer. Wir brauchen jemanden mit irgendeiner Form von Talent. Ob das jetzt singen ist, musizieren, schauspielern oder einfach jemand der gut Sachverhalte erklären kann. Wir brauchen einen Medienkompetenzpopstar und keine Memes. Die funktionieren nämlich nicht. Die verstören nur und erschaffen zumindest auf Facebook schon eine 4chan artige Atmosphäre. Was ja eine tolle Idee wäre wenn Markus Beckedahl von Netzpolitik.org eine Art Casting ausruft und wir dann den Gewinner dieses Castings auch entsprechend finanziell oder materiell fördern um medienwirksam und einsteigerfreundlich unsere Forderungen zu etablieren und zumindest im Ansatz auszuführen.

Vielleicht suchen wir ja einfach nur noch Dich
Es ist an der Zeit endlich das Informationszeitalter und ein offenes und freies Internet auch entsprechend effektiv verteidigen zu können. Und bekanntlich geht das auch nur wenn viele Menschen hinter uns stehen und uns verstehen. Die derzeitigen Ansätze sehen es ähnlich sind aber immer noch viel zu detailverliebt um vom Normalverbraucher ernst genommen zu werden. Es geht also nicht nur darum was Merkel wollen würde, sondern was Deine Nachbarin will, dein Vorgesetzter, deine Verwandten die mal ab und zu auf Ebay unterwegs sind. Denn das freie Internet ist so schön und spannend, es wäre doch schade wenn alles nur daran scheitert weil wir uns nicht nach außen hin verständigen können oder?

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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