Kreditkartenzahlung und der verkrampfte Versuch diese in Deutschland zu etablieren

Es ist wieder soweit: Whatsapp stellt demnächst auf mehreren Smartphones seinen Dienst ein bzw. unter anderem auf meinem. Der Grund dafür ist dieses Mal allerdings kein technischer Ausfall sondern die Tatsache dass ein paar tausend Nutzer eben nicht in der Lage sind den sogenannten Abo-Service zu bezahlen. Und mir sind eben noch ein paar andere Ungereimtheiten aufgefallen, welche sich alle auf die tolle Welt der Kreditkarten beziehen.

Krampfhaft wird gerade eine Pro-Kreditkarten Kampagne gefahren. Und das ausgerechnet in Deutschland. Das Google und Microsoft nicht gerade begeistert sind von dem Gedanken hier auch nur im Ansatz auf den Konsumenten einzugehen und bspw. per Überweisung die Zahlung in Shops oder den Appstores anzubieten ist mittlerweile bekannt. Neuester Clou: Zahle per Prepaidkarte die wir im Elektronikmarkt deiner Wahl anbieten. Um Googles Wallet zu füttern wird also sogar ein Mehraufwand betrieben indem man diese kleinen Prepaidkarten zur Verfügung stellt, anstelle auf etablierte Zahlungsweisen zu setzen. Ja natürlich kann man Google Wallet mittlerweile auch mit Handyverträgen kombinieren, allerdings auch nur bei den derzeit teuersten Anbietern.

Google Wallet nur mit Kreditkarte

Google Wallet gibt es nur mit Kreditkarte

Ich konnte mir schon in den Reaktionen auf den letzten Artikel über Kreditkarten auf dem Boxedpages Blog anhören wie albern doch diese Vorstellung sei, nicht auf ein anderes Zahlungsmittel zu springen. Es geht mir in erster Linie aber auch nicht um mich. Es geht um die bewusste Ausgrenzung sozial schwächerer Menschen wie bspw. Hartz-IV Empfängern. Denn wer würde mit gutem Gewissen einem Empfänger von Sozialleistungen eine Kreditkarte verkaufen?
Außerdem muss ich persönlich zugeben habe ich meine ganz eigenen Bedenken bei allen möglichen Dienstleistern meine Kreditkartennummer zu hinterlegen. Oder anders gesagt ich bin viel zu sehr Informatiker als das mir irgendjemand erzählen kann, dass eines Tages das zahlen im Internet wirklich sicher sein wird. Bits und Bytes sind hackbar. Und es ist ein leichtes mit dem entsprechenden Knowhow eine Datenbank bei einem Dienstleister zu knacken. Punkt.

Jetzt springt zu allem Übel aber auch noch Payback mit auf den Zug und möchte die American Express den Payback-Nutzern aufdrängen. Das Lockangebot: 3000 Punkte bei Abschluß. Wenn man sich die Punkte auszahlen lässt sind das 30 Euro. Die Karte ist im ersten Jahr kostenlos und kostet danach 35 Euro. Bei Payback selbst sogar 40 Euro. Bis sich die Anschaffung der Kreditkarte also wirklich gelohnt hat wird bei Otto-Normalverbraucher einfach viel Zeit vergehen.

Die derzeitige Entwicklung finde ich fatal: Sozial schwache Menschen werden diskreditiert und eine Teilhabe am sozialen Leben damit erschwert. Siehe bspw. Whatsapp. Leute die sorgsam mit Ihren Daten und insbesondere Zahlungsmitteln umgehen wollen, werden ebenfalls denunziert. Vor zwei Jahren habe ich noch gedacht: “Hey das sind international agierende Unternehmen, die werden sich schon auf die jeweiligen Märkte anpassen.” Aber leider ist dem nicht so. Der Konsument wird einfach übergangen und in eine Ecke gezwängt die ihm nicht passt. Weil es für das Unternehmen einfacher ist. Die Kreditkarte als Allheilmittel angepriesen.

Solange ich die Möglichkeit dazu habe werde ich mich dem Kreditkartenirrsinn entziehen. Ich weiß es gibt andere Länder wie bspw. Dänemark bzw. diese ganzen nordischen Staaten bei denen im Prinzip alles mit Kreditkarte funktioniert. Aber auch dort hat man mit den Schwachstellen der Kreditkarten zu kämpfen. Es dauert nur noch ein Weilchen und die Spaltung der Gesellschaft wird entsprechend auf der Straße abgebildet. Traurig.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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Comments
  1. bolko
    • Christian Fein

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