Inverse Weltbilder – Rechte und Pflichten

Pünktlich zum Osterfest hat meine Facebook Friendlist ihren gesellschaftlichen Nullpunkt erreicht. Es ist faszinierend und erschreckend zugleich. Auf populistische und möglicherweise lustige bzw. unglaubliche Beiträge folgen hohe Interaktionsraten. Das Geheimnis von Social Media Gurus,  YouTubern und allen extremistischen Formen. Alles schön aufbereitet in einem Video oder einer PowerPoint Präsentation die visuell an das Jahr 1995 erinnert. Wenn das nicht funktioniert sind es doch wenigstens Behauptungen in Form von verdrehten Tatsachen und Fakten die eventuell gar nicht existieren. Wenn angeblich politisch Uninteressierte sich von Extremisten durch einfache, populistische und unreflektierte Argumente auf eine Seite ziehen lassen, sind sie politischer und verantwortungsloser als sie es je wollten. Willkommen im Jahr 2015!

Wer mich persönlich kennt weiß ich bin nicht wirklich gläubig. Aber ich mag viele theologische Ansätze und Sichtweisen. Eine dieser Ansichten, die ich selbst auch vertrete, ist die das Glauben gesellschaftlich sehr wichtig ist. Und das merkt man auch. Man braucht immer irgendwas wo darüber ist und über einem steht. Etwas das einem Halt gibt. In der Regel also ein stabiles in sich konsistentes Weltbild auf das man sich verlassen kann. Dieses Weltbild kann religiös, politisch oder auch ethisch geprägt sein. Was passiert aber wenn man sich selbst nicht bewusst zuordnen kann oder will? Man wird empfänglich für andere aber unvollständige Weltbilder. Ganz besonders interessant ist dieser Aspekt wenn man sich überlegt das Kommentatoren aus dem Internet die per Hörensagen “Tatsachen” wiedergeben mehr glauben geschenkt wird, als einer metaphorischen Geschichte eines Zimmermannsohns. Man befindet sich also nach wie vor auf der Suche nach “Wahrheit” in der Hoffnung dort ein konsistentes Weltbild vorzufinden. Die Wahrheit ist aber: Es gibt keine konsistenten Weltbilder weil wir uns ja selbst auch ständig weiterentwickeln. Vielmehr ist ja die einzige Konstante die stetige Veränderung des Weltbilds. Veränderungen wiederum sind nur die logischen Konsequenzen aus unseren vergangenen Handlungen. Was sagt es aber über die aus, die mit den Konsequenzen nicht klar kommen? Das einzige Wort das mir dazu einfällt ist Verantwortungslosigkeit. Das Argument der Verantwortung wird auch in extremistischen rechten bzw. linken Kreisen sehr oft herumgereicht um zu verdeutlichen wie wichtig gesellschaftliche Rückschritte sind,  aber sie sind eben nicht konsistent. Verantwortung bedeutet aber auch diese eben zu tragen. Ich kann mir kaum vorstellen dass jemand mit der Verantwortung leben kann bewusst das Leben eines Dritten Menschen zu gefährden. Doch genau dies geschieht wenn unbedacht und ohne eigene Bewertung Artikel und Beiträge auf Facebook verbreitet werden. Das kann man jetzt an Tröglitz sehen oder auch an der Eröffnung des neuen Gebäudes der EZB in Frankfurt vor einigen Wochen.

In einem anderen Beitrag auf Facebook habe ich geschrieben, dass ich diese unsinnigen Behauptungen nicht mehr so stehen lassen werde. Weil es jetzt hier in Ludwigshafen auf lokaler Ebene gerade so weitergeht und sich bei uns (wie in vielen anderen Städten wohl auch) wegen der Flüchtlingsproblematik ein eigenes Pegida entwickelt, sehe ich es als meine Pflicht mich auch hier für die Richtigstellung falscher Behauptungen einzusetzen. Global denken, lokal handeln.

Aus eben jenem Grunde wird dieser Blog in naher Zukunft nicht mehr weiterbetrieben. “Die Welt ist sagenhaft wenn man nicht an sie denkt” ist wohl das treffendste Zitat für die die Verantwortung eben nicht selbst tragen können / wollen. Und weil ich dann eben Verantwortung für die tragen muss die es selbst nicht tun engagiere ich mich eben lokal. Aber mit Sicherheit kann man mir auf Twitter folgen. Man sieht sich also.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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Comments
  1. anonym

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