Gesucht: Alter Pioniergeist der neuen Generation

Ich bin immer noch gelangweilt. Das Gute ist: Ein Großteil der anderen Leute auch. Und es ist nicht unsere Schuld. Es ist vielmehr ein gesellschaftliches Problem. Wir haben unser Land aus Milch und Honig erschaffen und haben jetzt Zeit für Optimierung. Deswegen diskutieren wir über Gleichstellung, Nationalismus und natürlich die neuesten Gadgets auf dem Markt. Politisches Geplänkel interessiert gar nicht mehr so sehr. Klar echauffiert man sich, aber auch nur so lange man nicht das Haus verlassen muss. Daneben befindet man sich immer auf der Suche nach der “Wahrheit”. Und Wahrheit ist es eben auch immer Auslegungssache, weil wir Menschen ja auch immer subjektiv sind, selbst wenn wir der Meinung sind objektiv zu handeln und zu denken. Genug Stoff für Smalltalk ist eben immer da.

Spurensuche
Ich sehne mich nach Beschäftigung. Nach Sinn. Ist es verwerflich ein Hobby haben zu wollen, daß einen erfüllt und nicht nur zum Zeit totschlagen gut ist? Ich denke nicht. Aber trotzdem geht es mir so wie all den unglücklichen Grossstadtsingles die inständig auf der Suche nach dem perfekten Partner sind und sich von kleinen Makeln abschrecken lassen. “Such dir ein Hobby” ist eben leicht gesagt aber schwer getan. Persönlich wäre ich gerne Pionier auf irgendeinem Gebiet, aber bei rund 8 Milliarden Menschen ist das lediglich eine Illusion. Individualismus ist das Utopia des 21. Jahrhunderts.

Totschläger
Es gibt auch nichts mehr zu entdecken. Selbst Touren auf den Mount Everest sind mittlerweile so kommerzialisiert und optimiert worden, dass jeder 3 Jährige auf den Berg steigen kann. Also hofft man darauf auf etwas zu treffen, dass einen erfüllt und beschäftigt. Und man kauft Langeweile sozusagen weg. Ob Buch, Konsole, Tablet oder sonst was: Diese Dinge sind ja im Endeffekt nicht dazu da Leben zu bereichern, sondern Zeit zu vertreiben. Letztlich fühle ich mich aber vertrieben. Und ich glaube ziemlich vielen anderen geht es auch so.

Es geht zu gut
Zu diesem Thema habe ich mich bereits mit vielen Leuten ausgetauscht. Viele kompensieren diese Leere durch Sex, Drogen oder Alkohol, aber es ändert ja nichts an der Tatsache, dass gerade nichts geschieht. Gesellschaftlich haben wir uns nicht weiter entwickelt und vermutlich wird sich dahin gehend auch nicht mehr viel tun. Und natürlich ist es ein westliches Problem. Auch wenn wir über Europa und Deutschland meckern, aber letztlich leben wir global rein relativ wie die Made im Speck. So sehe ich momentan meine Generation und alles was drunter und drüber liegt. Hier explodieren die Gemüter wenn ein Schauspieler ein falsches Outfit an hat und in einem anderen Land ist jede Minute ein Kampf ums Überleben. Machen wir uns also nichts vor: Es geht uns zu gut.

Wie siehst Du das? Weil mich dieses Thema schon eine ganze Weile beschäftigt bin ich sehr an deiner Meinung interessiert.

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Ich schreibe über das Social Web, Hipsterfitness, Netzpolitik und ab und zu triviales. Wer in mir einen Nazi vermutet ist des Lesens wohl nicht mächtig und sei auf die "Über mich und den Blog" Seite verwiesen.

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Comments
  1. Goetz Machanek

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